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10. Thüringer Literatur- und Autorentage

burg-ranis.jpgWas tut sich in der deutschen Literaturszene – mal ganz abgesehen davon, dass Günter Grass und Martin Walser in diesem Jahr zusammen ihren 160. Geburtstag feiern? In der aktuellen Zeit-Ausgabe reden die beiden wie immer über deutsche Geschichte und darüber, wie ihre Bücher dem Zeitgeist die Stirn geboten hätten; unweigerlich taucht dabei die Frage nach dem Generationswechsel auf – nach einer Literatur des 21. Jahrhunderts.

Die Thüringer Literatur- und Autorentage unter der Schirmherrschaft des Lese-Zeichen e.V. sollten nicht zuletzt diesem Anspruch
Rechnung getragen. Vom 14. bis zum 17. Juni trafen sich Dichter, Musiker und Schauspieler auf der Burg Ranis im süd-thüringischen Saale-Orla-Tal, um dem Publikum junge und gute Literatur jenseits überfüllter Büchermessen zu bieten.

Clemens Meyer las zum Beispiel aus seinem aktuellen Roman „Als wir träumten“, für den er für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert war. Er schreibt über das, was er selbst erlebt hat: Über das Kleinkriminellenmilieu Leipzigs der Nachwendezeit, über vier Freunde, die vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft träumen, – von Liebe und von einer besseren Zeit. „Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft.“ Als Meyer vor dem Wirtshaus in Ranis zu lesen beginnt, setzt der Regen ein; Bierzeltbänke werden schleunigst zusammengeräumt und das Publikum verkriecht sich in den Vorbau des Wirthauses. Gelesen wird fortan mitten im Gedränge, – während der Regen auf dem Wellblechdach den immer gleichen Rhythmus trommelt und an den passenden Textstellen, das Dach zu durchbrechen versucht.

Ganz anderes verlief die Lesung von Alexander Osang: – weniger aufwühlend, eher ruhig, aber dennoch sehr tief greifend. Osang sollte besonders Neubrandenburgern nicht unbekannt sein. Sein Roman „Die Nachrichten“ wurde für die ARD verfilmt und spielt überwiegend in Neubrandenburg. Osangs neuer Roman „Lennon ist tot“ ist im gewissen Sinne eine Hommage an das Erwachsenwerden geworden: Der 19-Jährige Robert Fischer kommt aus dem „beschaulichen“ Berlin zum College nach New York, doch statt des Studiums wartet auf Robert eine Odyssee durch die Straßen der Stadt.

Die 10. Thüringer Literatur- und Autorentage sollten nicht zuletzt natürlich auch regionalen Dichtern eine Plattform geben. Das Lyrikkonzert mit Uljana Wolf und Nancy Hünger wurde so gut besucht, dass man nicht umhin kam festzustellen: Lyrik ist wieder salonfähig geworden! Man kann nur hoffen, dass das nicht nur in Thüringen so ist.

1300 Besucher – an einem Wochenende! Literatur kann auch abseits des Kommerzes gut sein. Man braucht nicht unbedingt einen Günter Grass (auch, wenn man die Blechtrommel gelesen haben sollte) und auch keinen Martin Walser, wenn man nur bereit ist, sich auch einmal, auf unbekannte und junge Literatur einzulassen … .

(Text: Polle)


(skywalker)

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