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9to5 Festival | Erster Eindruck.

9to5»Ich bin nicht prekär, ich bin nur scheiße angezogen«

Die Spree glitzerte bis eben noch in der Abendsonne. Inzwischen ist es abgekühlt und wenn man wollte, könnte man es sich auf den blauen Liegestühlen mit direktem Blick auf das ver.di-Gebäude gemütlich machen. Ein wenig Treiben von Menschen, die in ihre Walkie Talkies sprechen trübt die Eintracht, die momentan noch hier im Radialsystem am Ostbahnhof in Berlin herscht. Überall im Gebäude verteilt sitzen Leute, die sich entweder in Unterhaltungen vertieft, auf den Bildschirm ihres Laptops starrend oder ins Handy sprechend ihre Zeit vertreiben. Hinter den Kulissen wird gearbeitet und man blickt von Seiten des Veranstalters geschäftig in der Gegend umher, denn bis 21 Uhr soll alles fertig zum Startschuss sein.

Das Ganze nennt sich selber “9to5″ und ist ein Festival der besonderen Art. Das Gelände auf dem es stattfindet ist riesig und man kann hier essen, schlafen, das kostenlose WLan zum arbeiten nutzen oder sich einfach entspannen. Jedenfalls bis jetzt, denn das Programm beginnt in den nächsten drei Tagen um 9 Uhr abends und endet um 5 Uhr morgens. Angeboten werden Workshops, deren Namen komisch anmuten: “Wir basteln ein interkosmisches Kommunikationsinstrument”, “Wie ich die Dinge geregelt kriege – ohne einen Funken Selbstdisziplin”, oder eben wie schon von Kabelblume berichtet, “Blitzpop”. Im weiteren Programm finden sich Lesungen, z.B. von Jens Friebe, Konzerte von alten Bekannten wie Ampl:tude, ClickClickDecker oder Britta. Das Alles zielt darauf ab, ein Foyer zu schaffen für die Menschen, die sich selbst unter dem Titel “Digital Boheme” sammeln. Sie sind kreative Freiberufler oder Jobnomaden, die mit normalen Arbeitszeiten nicht wirklich viel am Hut haben, in dem was sie tun aber gut augebildet sind.

Initiatior des Ganzen ist Holm Friebe, Geschäftsführer der Zentralen Intelligenz Agentur, der vor einem Jahr zusammen mit Sascha Lobo das Buch “Wir nennen es Arbeit” geschrieben und veröffentlicht hat. Das Festival greift das Thema des Buches auf eine praktische Art und Weise auf. Im Zentrum steht das Internet, Spielwiese und Kommunikationswerkzeug, welches von Vielen genutzt wird, um die eigene Kreativität in digitale Formen zu bringen. Ob das nun als Band, Werbetexter oder Kolumnenschreiber passiert, ist erst einmal egal, denn Geld spielt hierbei nur ein nebensächlicher Rolle. Letztendlich strebt jeder nach den eigenen Motiven, unter die er seine Arbeitsweise stellt, da selbst die Festanstellung in der heutigen Zeit, in der Firmen regelmäßig Personal einsparen müssen, um zu überleben, keine Sicherheit mehr bietet. Die Ansätze, die hierzu im Buch veröffentlicht wurden werden nun in die Tat umgesetzt. Ob und in wie weit das wirklich im großen Stile klappt, wird sich nach den drei Tagen zeigen. Im Moment lässt sich noch nicht einmal sagen wie viele Menschen der Einladung Friebes folgen werden.

Nachts steppt hier also der Bär und tagsüber kann man sich kostenlos auf dem Gelände aufhalten, ein Bierchen trinken oder das kostenlose WLan nutzen.

www.9to5.wirnennenesarbeit.de

(Moritz Körner)


(schommsen)

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