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La Pampa Festival | Review Teil Eins

pampa1// 04./05.07.08, Hagenwerder (bei Görlitz)
Nun ist es amtlich – die deutsche Festivallandschaft besitzt ein kleines, jetzt schon sehr feines Festival mehr. Das La Pampa überraschte mit dem Debüt. Wer hätte gedacht, dass man in einer toten Gegend, wie dem Dreiländereck bei Görlitz, ein solch hübsches Wochenende verbringen kann. Tolle Location, nette Sachsen, wunderschöner Zeltplatz, okaye Bands. Vielleicht zu perfekt für ein erstes Mal?

Um die aufgebaute Spannung gleich am Anfang zu lösen – natürlich war es nicht perfekt. Welches Festival ist schon perfekt? Als passionierte Rummäklerin finde ich natürlich Dinge, die hätten besser sein können.
Doch was macht ein Festival eigentlich aus? Was muss da sein, damit man sich wohl fühlt als Besucher? Ein gemütlicher Zeltplatz und sympathische Zeltnachbarn, nette Security, gutes und preiswertes Essen, ausreichend saubere Klos/Duschen, überzeugende Bands mit gutem Sound, keine allzu langen Wege, liebevolle Gestaltung des gesamten Festivalgeländes. Das sind die Dinge, die mir wichtig sind. Das La Pampa erfüllte eine ganze Menge dieser Punkte.

Nach einer doch etwas längeren Fahrt trieb uns der Hunger nach Görlitz, die größere Stadt vor der Pampa. Wir haben nicht schlecht gestaunt, als sich nach der Fahrt durch die üblichen ostdeutschen Plattenbausiedlungen am Stadtrand eine wunderschöne Altstadt präsentierte. Görlitz ist richtig schön und die Frau bei Nordsee sehr nett. Sie konnte mir verständlich den Weg nach Hagenwerder erklären und wünschte mir viel Spaß auf dem Festival, obwohl ich ihr gar nicht offenbarte, was mein Endziel sein sollte. Somit hatte ich meinen ersten Eindruck und er war gut. Kurz noch bei Kaufland ein bisschen essentielle Festivalnahrung gekauft und endlich konnte das Festival beginnen.

Ankunft, guter Parkplatz, schönes Wetter (Sonnenschein, erträgliche Wärme), eine nette Einweiserin, kurzer Weg zum Zeltplatz und dann Staunen, die Erste: man kann direkt am See zelten. Ein kleiner Baggersee mit Steilhang Richtung Ufer und ohne wirklichen Strand wurde von Zelten umrundet. Sehr genial. Einfach aus dem Zelt stolpern und schon biste im See. Das Einzige, was offensichtlich ein kleines Manko war, das sofort auffiel, war die Übersichtlichkeit. Hier sollen wirklich alle der geplanten 2000/3000 Besucher zelten? Unmöglich! Später stellte sich heraus, dass der Platz doch ausreichte, da es doch an so einigen „Pampanauten“ mangelte.

Doch kommen wir nun kurz zu den Bands am Freitag, die auf dem kleinen Festivalgelände entweder die Hauptbühne oder das Nebenzelt beschallten:
herr.holle hab ich durch Trödelei verpasst, also ging es mit Monotekktoni los. Es war eindeutig zu hell und zu leer und zu früh für die im samtigen Blaumann mit Sternschnuppen gekleidete Toni. Guter Mix aus alten und neueren Sachen, doch leider zur falschen Zeit. Tekkno-Hotterei funktioniert nüchtern und im Tageslicht eher schwieriger. Grand Island begrüßten ihre Folks fast schon persönlich-freundschaftlich und legten dann los. Holladiewaldfee, war das gut. Vor der Hauptbühne entstand ein kleiner Tanzmob, die den großräumigen Platz vor der Bühne aufgrund Pampanautenmangels ordentlich ausnutzen. Hat ja sogar ein bisschen was Gutes, dieser Menschenmangel. Platz vor der Bühne ist ja auch eine Art Luxus. Aber zurück zu Grand Island – wahnsinnig gute Live-Band mit verrücktem Banjospieler, der sicher Nackenschmerzen hatte, nach diesem ganzen Haupthaargeschwinge. Tolle Performance, authentisch-sympathische Rock’n’Roll-Attitüden, guter Look. Und nun: Kontrastprogramm mit Bratze. ClickClickDecker Kevin Hamann, der sich bewegte wie Ian Curtis, und der Tante Renate, mit Elektroklimperinstrumenten und ein bisschen Gitarre, bratzten und ließen Menschen tanzen. Sicher kann man sich über die musikalische Qualitäten Bratzes streiten, doch den selbst gesteckten Anspruch, den diese Band hat, haben sie par excellence erfüllt – Beat-Bass-Krach machen, Menschen und sich selbst zum Tanzen und Schwitzen bringen. Gelungen, Note 1, setzen. Nein – am Besten schnell ein Bier angemessenen Preises holen und Chikinki schauen, den Rupert hat sich mit hippie-eskem Blumenschmuck im Haar für die Pampa allerliebst aufgehübscht. Auch der Keyboardmensch hat seinen silbernen Raumanzug gegen Hose, Hemd und Hut getauscht. Hat sich auch soundmäßig und livetechnisch was getan bei den Briten? Eher weniger. Ihre Entertainerqualitäten haben sich weiterentwickelt, denn als Knallerding und damit die Leute den Auftritt nicht so schnell vergessen oder so, ließen sie Besorgnis erregend viele Leute auf die Bühne, die mittanzten und Spaß zelebrierten. Es sah hübsch aus, aber rettete die kleine Chikinki-Enttäuschung gar nicht. Nun sollte eine Aftershow stattfinden, den die alten Herren des Karrera Clubs bestritten. Doch das erste Lied verschreckte mich. Ich will zu keiner Disko tanzen, die mit einer Version von Deichkinds Remmi Demmi auf Englisch beginnt.

Zurück zum Zeltplatz – und nun kommen wir zu dem Punkt, an dem ich meine Lobgesänge diesbezüglich schmettern kann. Der Zeltplatz, also das Zelten rund um diesen kleinen See, verdient das größte Lob. Ein so wunderbar hübsch inszeniertes Gewässer, habe ich in dieser Form noch nicht gesehen. Der kleine nächtliche See wurde von diversen Lichtstrahlen in Szene gesetzt. Die kleine Insel, mitten im See, auf der eine große Diskokugel ihre Runden drehen sollte, funkelte und strahlte mit den vielen Sternen am Himmel um die Wette. Ich beschreibe es wirklich kitschig, aber das war es ja auch. Die kleine Pappelwand wurde mit sich wellen-drehende psychedelischen Illustrationen bestrahlt. Das alles zusammen ergab, vor allem wenn man sich im See befand, ein Schauspiel, das dir Tränen in die Augen schießen ließ, wenn du emotional vorbelastet warst. Das, was den Bühnen an liebevollen Details fehlte, machte die See-Inszenierung allemal wett.

Trinken, schnacken, schlafen – Samstag.


(bea)

  • Keine(r)
  • 2 Kommentare

    1. Schöner Beitrag, Bea. Jedoch vergessen hast Du das ansässige Festivalradio! Oder lag es an uns und wir sollten uns besser die Aufmerksamkeit der Besucher kümmern?

    2. Wie? Was? Man kann sich über die musikalische Qualitäten Bratzes streiten?! Die sidn doch einfach nur GUT! tztz*

      Aber der Zeltplatz war in der Tat sehr angenehm.

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