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Southside Festival Teil 1 | Review

Neuhausen ob Eck, 19.-21. Juni 2009
Was am Donnerstag noch mit Hitze und Sonnenschein anfing, endete Sonntag Nacht mit Kälte und Dauerregen. Das Southside Festival 2009 konnte sich dieses Jahr nicht wirklich von der sonnigen Seite zeigen. Wer die Gummistiefel zu Hause vergessen hat, wird es nun wohl mit Erkältungstee und Suppe bereuen. Trotzalledem wurde mit einem abwechslungsreichen und überzeugendem Line-Up gegen diese Situation gekontert.

Donnerstag. Mit Zelt, Rucksack und einer Palette Bier steht sich der Großteil der Festivalbesucher die Beine in den Bauch, um das wertvolle Bändchen zu bekommen, das die nächsten Tage feuchtfröhlichen Spaß verspricht. Schnell wird aufgebaut und um Platz gekämpft, denn der Rest der Leute kommt erst morgen und man will ja zusammen zelten. Eventuelle Streitigkeiten wegen mangelnder Rasenfläche wird aber zum vanille-farbenen Sonnenuntergang mit Bier runtergeschluckt. Die Nacht ist lau und warm. Sollte der Wetterbericht etwa trügerisch gewesen sein und die Regenfront kommt gar nicht, die angekündigt war?

Freitag. Nein, die Wetterfrösche aus dem Fernsehen hatten leider Gottes einmal Recht. Ausgerechnet jetzt. Ein Temperatursturz von 30 auf vielleicht noch 12 Grad, dazu dicke graue Wolken und nieseliger Regen lässt einen erstmal die Gesichtszüge beim Aufstehen entgleiten. Oh weh, das kann ja heiter werden. Doch auch diese Situation wird schnell runtergeschluckt, mit dem nächstbesten alkoholischen Getränk, dass neben einem steht. Ein Dance-Flashmob, ein Nacktlauf oder Striptease begegneten einem, wenn man sich in der Nähe der Flugbahn aufhielt. Nachdem der Alkoholpegel reichlich aufgestockt wurde, begab man sich aber langsam auch Richtung Bühnen, denn dafür ist man ja da.

Für meiner Einer werden die Silversun Pickups aus LA der Southside-Auftakt sein. Mit ihrem neuen Album “Swoon” im Gepäck zeigte das Quartett sich in Höchstform. Auch wenn man gestehen muss, dass die alten Songs immer noch besser beim Publikum ankommen und dass dieses eher aus Flüchtlingen vor dem Regen besteht, bekommen sie einen freundlichen und jubelnden Applaus aus dem dunklen Zelt. Sänger Brian Aubert ist sogar zu Scherzchen aufgelegt. Kaum zu glauben, dass am Anfang ihrer Bandgeschichte Konzerte abgesagt werden mussten, da er sich vor Schüchternheit nicht auf die Bühne traute.

Da Florence & The Machine leider kurzfristig abgesagt haben, tröstet man sich eben mit Lily Allen. Die kann zwar nicht so toll singen und ihr Auftritt wirkte eher etwas gequält. Aber bei “Fuck You” und “Not Fair” konnte man wenigstens hopsend Wettergott Petrus für den Regen beschimpfen, ohne dafür mit Blitz und Donner bestraft zu werden.

Und da Florence immer noch nicht da ist, geht man eben rüber zu den Fleet Foxes. Die sind in Anbetracht der fluffig poppigen Happy-Days-Songs von Lily Allen ziemlich deprimierend. Technische Probleme auf der Blue Stage führen außerdem dazu, dass die Green Stage, auf der es sich Keane gerade gemütlich machen, die Fleet Foxes einfach übertönt. Nicht schwer bei solch ruhigen Songs. Da schwelgt etwas Mitleid mit der Band mit, andererseits auch Gleichgültigkeit. Für die Fleet Foxes muss man in Stimmung sein. Und auch wenn der zunehmende Regen geradezu dazu einlädt, drängt der ebenso steigende Alkoholpegel zum Tanzen.

Keane also. Die Engländer um Mondgesicht Tom Chaplin fühlen sich bei dem Regen ganz wohl und geben ihr bestes. Das kommt gut an. Trotz eines so frühen Slots hat sich der Platz vor der Bühne gut gefüllt. Es war jetzt kein herausragendes Konzert, doch eines steht auch fest: Wenn man die Chance hat, Keane live zu sehen, sollte man sich definitiv ein paar Minuten Zeit dafür nehmen.

Zum Aufwärmen geht es zur Zeltbühne. Weißer Soul, ein gefühltes ganzes Blasorchester und anderes klimbim, das man gar nicht alles aufzählen kann, wird mit 60er Jahren Popmusik und Sexappeal der Sängerin Mette Lindberg kombiniert. Herauskommt eine Mischung, die super Laune verbreitet und auf den Namen The Asteroids Galaxy Tour hört. Auch wenn man die Songs nicht kennen sollte, ist dies kein Grund nicht mitzusingen. Dazu wird das Publikum ausreichend aufgefordert, welches es auch dankend tut. The Asteroids Galaxy Tour besteht noch Großes bevor, ihre Songs greifen zumindest schon oft nach den Sternen. Ein Highlight, wenn nicht sogar das Highlight vom Southside-Freitag!

Von Dänemark geht es zurück nach Deutschland. Nach Hamburg genauer gesagt. Doch was leuchtet dort durch die Türen des Zeltes? Ist das etwa? Nein, das kann doch nicht sein. Oh doch! Sonne! Zum ersten Mal zeigt sie sich diesen Tag. Und Fettes Brot bieten den Soundtrack dazu, der zum Tanzen und Popo-wackeln einlädt. Die Stimmung der Festivalbesucher steigt ohne weiteres um 100 %. Sicherlich auch ohne Sonne hätten Fettes Brot dem Publikum wieder trockene, warme Füße beschert. Nach ihrem Loch vor ein paar Jahren sind sie mehr als wieder da. Es ist immer ein Erlebnis die drei oder vier oder wieviele auch immer dort auf der Bühne stehen, live zu sehen. Qualitativ sehr wertvoll!

Nach einer kleinen Stärkung ging es zurück ins Zelt. The Whip bieten englischen Elektro-Pop an. Zwar etwas kurz angebunden können sie das Publikum aber trotzdem mit ihrer Musik beeindrucken. Und glücklicherweise haben sie sich ihren Hit, weswegen der Großteil wohl auch im Zelt war, ganz zum Schluss aufgehoben. “Trash” bringt alle noch einmal zum ausrasten, bevor zu ruhig wird auf der Red Stage.

Wer nicht in den Regen will, bleibt dort, schont seine Füße von den glitschigen Gummistiefeln und trinkt Becks. Pfandbecher sind zu Genüge zu finden, die den Alkoholgenuss sehr billig machen. Eingeschüchtert von den Menschenmassen will ich trotzdem wenigstens einmal weiter vorne stehen. Ich entscheide mich für die Friendly Fires aus England und soll nicht enttäuscht werden. Auch wenn das Publikum offensichtlich da ist, weil es draußen regnet und nur auf Pogo aus ist, kann man das musikalische Talent doch noch genießen. Auch wenn die Burschen erst ein Album veröffentlicht haben, haben sie die Zeit gut ausgenutzt, nicht zuletzt durch für Frauen sehr ansprechende Tanzeinlagen des Sängers. Sowohl dies als auch die musikalische Ausgefeiltheit führen zu bester Partystimmung.

Draußen geben Nick Cave & the bad Seeds ihr Bestes. Erstaunlicherweise scheint Mr. Cave nicht älter zu werden, nur die Haare werden lichter. Die Melancholie, die Wut, die Kunst grandiose Lyrics zu schreiben, scheinen immer noch in Bestform zu sein. Als nicht gerade treuester Fan muss ich schon gestehen, dass ich auch sehr überrascht bin, wie laut und krachig der Mann von “15 Feet of Pure White Snow” sein kann. Nicht schlecht, sogar alles andere als schlecht. Ein gelungener und krönender Abschluss für den Freitag Abend.

Wie es weiter geht, seht ihr hier:
Southside Festival Teil 2
Southside Festival Teil 3


(Koksi)

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