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Southside Festival Teil 3 | Review

Der Final Countdown hat angesetzt. Mit der Freude, endlich wieder in trockenen Klamotten sein zu dürfen, kommt auch die Melancholie, denn bald ist wieder einmal alles vorbei. Überhaupt könnte man über die Enden eines jeden Festivals ganze Bücher schreiben. Doch verdrängen wir das noch einmal für ein paar Stunden, schluchzen können wir später.

Die letzte Flasche Rotwein zum Mittag wird geöffnet und mit ihr geht es erneut Richtung Green Stage. Dort warten bereits die süßen Wombats auf ihren Einsatz. Der Sänger, der mich immer wieder an TingelTangel Bob von den Simpsons erinnert, war in besonders guter Laune. Vor Freude hat er auch gleich mal bei einigen Songs die Einsätze verpasst. Aber das macht die Tierchen nur noch sympathischer. Schade war, dass es keinerlei neue Songs im Repertoire gab, so ist doch das alte und erste Album schon eine ganze Weile her.

Auch nichts Neues, dafür viele technische Probleme haben die Ting Tings. Ständige Ausfälle von Mikros und Wackelkontakte versauen dem Duo regelrecht die gute Laune. So sehr Katie White auch ihr Bestes gibt, schwitzt und dabei noch gut aussieht – der Sound will nicht funktionieren. Das ist traurig, denn viele Besucher gehen einfach mit verzogener Miene, weil sie sich mehr erhofft hatten, dabei kann ich aus sicherer Quelle sagen, dass die Live-Qualitäten der Ting Tings, die vom Album 100prozentig übertreffen.

Rosa Flamingos, ein Gartenzaun, Alice im Wunderland? Könnte man meinen, aber Alice heißt jetzt Katy Perry und ist alles andere als lieb. Die junge Dame macht ihrem Image als unschuldige Bitch (das muss man erst mal schaffen) alle Ehre. Und entgegen meiner Erwartungen, ist 80 % des Publikums männlich und geht nicht, nachdem die Überflieger-Hits kamen. Trotz ihrer jungen Karriere scheint Katy Perry tatsächlich schon zu wissen, was sie will und wie sie es bekommt. Daumen hoch, kann man anders nicht sagen.

In einem ganz anderen Stil betritt Duffy die Bühne. Der laufende Meter im 60s-Outfit muss hinter der Bühne die Security überfallen haben. Anders lassen sich ihre riesen Gummistiefel, in die ihre Füße auch zweimal hineinpassen, nicht erklären. Zuckersüß steht sie da und so auch das Publikum. Dieses ist noch verzückter, als Duffy tatsächlich bei “Warwick Avenue” anfängt zu weinen. Dass ihre Kontaktlinse verschoben ist, kann man selbst auf der Leinwand nicht erkennen. Aber hin oder her, so hat sich die kleine Engländerin nur noch mehr Sympathisanten ins Boot geholt. Kaum einer konnte sich noch losreißen von den Popgeschichten, lieber lässt man sich den Hagel und Schnee auf den Kopf prasseln.

Klein und süß ist Lykke Li auch. Die bevorzugt es aber, dem Publikum ordentlich eins auf die Zwölf zu geben. Obwohl ich zugeben muss, von der Schwedin mit ihrem extravaganten Tanzstil genervt gewesen zu sein, wurde ich eines besseren belehrt. Ihre neuen Songs sind frisch und anders. Auch war Lykke Li nicht so sehr in Kampflust und hat das Publikum nicht beschimpft, wie sie es auf einigen anderen Konzerten zu tun pflegte. Das machte den Zeltauftritt zu etwas sehr positivem. Man darf auf Lykke Li‘s zweites Album durchaus gespannt sein.

Ein ganzes Orchester wird auf der Bühne im Zelt aufgebaut. Was kommt nun fragen einige Unwissende, die nur wegen dem Regen ins Dunkle geflüchtet sind. Get Well Soon. Auch wenn man es der Band um Konstantin Gropper nicht immer ansehen kann, eigentlich freuen sie sich riesig, auf so einer Bühne zu stehen und zu so einer Zeit zu spielen. Krachende Gitarre und die wahnsinnig tiefe und beeindruckende Stimme von Gropper treiben einem im fünf-Minuten-Takt die Gänsehaut auf den Körper. Wow. Diese junge Band wird es noch weit schaffen, hoffe ich. Hoffen alle anderen, die nicht nur da sind, weil es bei Social Distortion zu nass war.

Becher einsammeln reicht immer für mindestens ein Bier. Und damit begebe ich mich erneut zur größten Bühne. Dort steht Moby schon bereit, um dem durchgefrorenen Publikum einzuheizen. Und wer nun an “Why does my heart feel so bad” denkt, dem sei gesagt, dass Moby nicht depressiv macht. Überrascht ist man auch, wenn man erst einmal merkt, wieviele Songs man tatsächlich vom Veganer, der sich gern mit Eminem kappelt, kennt. Trotz des drohenden Wetters soll Moby zu einem großen Erlebnis werden, dass mit dem echten Techno-Klassiker “Feeling so real” beendet wird. Extraordinary.

Noch etwas geschafft geht es zurück ins dunkle Zelt. Dort sind Tomte schon in vollem Gange. Ein umgedrehtes Kreuz hängt hinter den Bandmitgliedern und verwirrt mich zunehmends. Thees Uhlmann, unser aller Held der Jugend und Vorzeige-Alkoholiker, führt sich auf, als hätte er gerade den Grammy für sein Lebenswerk gewonnen. Es scheint schon fast, als sei bei den Songs das Herzblut verloren gegangen. Vielleicht habe ich sie einfach zu oft gesehen, dass Tomte nichts mehr besonderes sind, wo sie es doch so viele Jahre für mich waren. Vielleicht sollten sie aber auch mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurück kommen.

Abgespacte Klänge und neongrüne Laserstrahlen ziehen das übrig gebliebene Publikum an, das noch nicht abgereist ist. Es ist die letzte Band. Kraftwerk. Die Band, der man verdanken kann, dass es überhaupt die Musik gibt, die es heute gibt. Kein Wort der Band, kaum eine Bewegung von ihr. Bei Zeiten werden sie sogar von Roboter-Puppen ausgetauscht. Auch wenn ich kein großer Fan davon bin, wenn die Band keine Interaktion mit dem Publikum hat, dann bekommt Kraftwerk jede Ausnahme, die sie wollen. Es ist eine bemerkenswerte Band, denen wir eine Menge zu verdanken haben. Wir als Publikum, wir als Musiker.

Ihrem letzten Ton endet auch das diesjährige Southside Festival, zumindest für diejenigen, die sich nicht noch bei Faith No More die Birne einschlagen lassen wollen.

Das Southside Festival 2009 war nass und kalt. Es ging einem an die Grenzen. Aber die Vielfalt der Bands machte für jeden alles wieder wett. Nächstes Jahr dann vielleicht mal Sonne mit ins Line-Up nehmen und alles wird palletti. Wir freuen uns auf 2010.

Lest auch den 1. Teil des Southside Reviews und den zweiten!

southside.de


(Koksi)

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