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Up In The Air │ Tragikomödie

Wer jetzt denkt „Och nee, nicht schon wieder so’n Clooney-Schinken“ soll schweigen und die Lauscher spitzen – oder vielmehr die Äuglein weiten. Ja, es ist der Clooney. Und er ist sexy, cool und charmant, so wie wir ihn kennen. Und ja, es geht auch um Liebe. Aber nicht nur. Sie ist auf eine Art und Weise verpackt, die angenehm locker und doch tiefgründig ist. Wer „Juno“ gesehen hat, wird wissen, wie Regisseur Jason Reitman aus einem scheinbar gelutschten Lolli ein Überraschungsei macht.

George Clooney spielt Ryan – die Verkörperung der globalisierten Welt par excellence. Jeden Tag ist er in einer anderen Stadt, seine Wohnung bezieht er für ganze 43 Tage im Jahr und seine Familie existiert praktisch nicht für ihn. Die VIP-Lounges der Flughäfen und die Hotelzimmer sind sein zu Hause und das Personal seine Freunde. Sein Beruf ist es Angestellte von fremden Firmen zu feuern, deren Chefs nicht den Mut dazu hatten. Er ist hart, aber nicht eiskalt. Mit Natalie (Anna Kendrick), einer neuen jungen Kollegin, gerät sein perfektes Kartenhaus aus Mobilität und Ungezwungenheit ins wanken und gefährdet sein geheimes Ziel, als siebter Mensch auf der Welt zehn Millionen Flugmeilen auf seinem Konto verbuchen zu können.

Natalie ist ehrgeizig und hochmotiviert. Als Vorzeigeexemplar der neuen Generation versucht sie den Arbeitsprozess des Entlassens von Angestellten mithilfe von Videogesprächen zu optimieren. Um seinen Job und den damit verbundenen Lebensstil zu retten, nimmt Ryan Natalie an die Hand und zeigt ihr hautnah sein Geschäft. Es scheint, als würde auch ihm erst jetzt klar, wie wichtig der persönliche Kontakt zu den Betroffenen wirklich ist, um ihnen in solch einer schweren Situation beizustehen und ihre Würde zu wahren.

Er selbst hält jede persönliche Bindung zu anderen Menschen in sicherer Distanz. Für ihn sind menschliche Beziehungen nur Ballast in dem Rucksack, den jeder mit sich tagtäglich herumschleppt. In Alex (Vera Farmiga) glaubt er eine Verbündete gefunden zu haben. Sie führt denselben Lebensstil und teilt seine Leidenschaft für VIP-Club-Karten und die Ungezwungenheit des Daseins. Doch mit zunehmenden Gefühlen entdeckt auch Ryan die Vorzüge von menschlicher Nähe und Geborgenheit. Seine perfekt konstruierte Lebensphilosophie des leeren Rucksacks fängt an zu bröseln.

Mit „Up In The Air schafft Regisseur Reitman eine Tragikomödie, die nicht nur verdammt cool und witzig wie auch charmant daher kommt, sondern uns auch stets zu überraschen versteht. Halt eben doch ein Clooney-Film. Die Dialoge mit Sprüchen wie „Die Welt kann einen eben manchmal ziemlich unterweltigen“ sind nicht nur spritzig und unheimlich komisch, sondern treffen auch genau den Zynismus unseren Zeit. So verweist der Film in vielerlei Hinsicht auf das Wesen unserer heutigen Gesellschaft. Nicht nur angesichts der Weltwirtschaftskrise, durch die Entlassungen wie am Fließband vorgenommen werden, zeigt sich wie Reiman den Nerv der Zeit trifft. Authentizität beweist der Film gerade hier, indem echte Betroffene persönlich ihre Geschichte der Kamera erzählen.
Dazu steht Natalie als Kind der Digitalisierung und Kämpferin in einer immer härter werdenden Berufswelt stellvertretend für eine Generation, die mit erdrückend hohen Erwartungen an sich und ihr Leben konfrontiert ist. Und nicht zuletzt Ryan, der mit seinem Leben auf dem Rollfeld ganz klar die globalisierte Welt verkörpert und als Ode auf die Grenzenlosigkeit und Ungebundenheit des Lebens fungiert. Doch wie reizvoll diese endlose Freiheit auch scheinen mag, ein zu Hause und Familie ist am Ende das, worauf wir zählen und was uns die Kraft in schweren Zeiten gibt.
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Regie: Jason Reitman
Land: USA
Start: 4. Februar 2010
Laufzeit: 110 min.

theupintheairmovie.com


(beatrice.b)

  • Keine(r)
  • 1 Kommentar

    1. schöne rezension.
      fand den film allerdings ziemlich überzogen und langweilig – bloß nicht anschauen.

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