Interview mit Herrenmagazin
Das erste Interview, so war meine Überlegung, wollte ich mit Musikern machen, deren Musik ich selbst gern mag, denn so weiß man bestens Bescheid über die Musik und es fallen einem eventuell sogar interessante Fragen ein. Im Vorfeld des diesjährigen Abi-Festivals in Lingen bot mir Maike, die für die Presseorganisation zuständig ist, an auch Interviews zu organisieren.
Da dieses Jahr auch die Jungs von Herrenmagazin erneut Lingen besucht haben, fiel meine Wahl der ersten Interviewpartner auf ebenjene. Natürlich wussten weder Maike, noch ich, dass während unseres Interviews Maike einen gesundheitlichen Ausfall erleiden sollte. Ich hoffe, Maike du erholst dich gut von all dem und ich wünsche dir gute Besserung. Nun aber zum Interview.
Ihr habt euch in diesem Jahr besetzungstechnisch etwas verändert, was ist nach dem Weggang von Philipp anders geworden, außer, dass Torben jetzt dabei ist; zwischenmenschlich oder musikalisch?
Deniz: Da triffst du eigentlich direkt ins Schwarze, schon mal. Die gesamte Situation ist entspannter geworden, also weil…(Paul gesellt sich in die Runde.). Also a ist es musikalisch, ist es halt…hat Torben also echt frischen Wind in die ganze Geschichte rein gebracht so. Weil er noch ein bisschen besser Gitarre spielt auch. Und menschlich ist es halt auch viel entspannter jetzt allgemein.
Torben, was hat für dich den Ausschlag gegeben in die Band einzusteigen, was bietet einem eine Band wie „Herrenmagazin“?
Torben: Bei mir war das ja so, dass ich schon seit Jahren Fan bin und wir haben früher schon zusammen getourt mit meiner alten Band, Peters. Und ich hab die immer schon angebettelt, wenn ich besoffen war, dass ich da gerne spielen möchte und ich durfte aber nie. Und irgendwann, als ich mich gerade dafür entschieden hab keine Musik mehr zu machen, sondern einen festen Job zu machen, da kamen sie zwei Wochen später, ob ich nicht einsteigen will und dann hab ich natürlich sofort gesagt: „Ja!“ Also meine Gebete wurden erhört.
Auf den letzten Konzerten, besonders beim „Rock in den Ruinen“, habt ihr schon verdächtig viele neue Lieder gespielt, man könnte meinen es folgt bald ein neues Album…
Deniz: Ja, es wird bald ein neues Album kommen. Also es kommt erst nächstes Jahr, wir wollen es hoffentlich noch dieses Jahr aufnehmen, ich hoffe das klappt und dann soll es nächstes Jahr rauskommen. Wann weiß ich aber nicht. Wir spielen heut’ noch mehr neue Lieder.
Torben: Wir sind auf jeden Fall fleißig am Lieder schreiben.
Zu eurem Bandnamen wurdet ihr ja schon häufig befragt, genau wie zu dem Albumtitel „Atzelgift“; deshalb mal was ganz anderes zum Album: Seht ihr „Atzelgift“ als eine Art Gesamtkunstwerk, dem so etwas wie ein Leitgedanke oder eine Gesamtaussage zu Grunde liegt oder als Komposition einzelner Stücke, die jeweils eine ganz andere Thematik oder Aussage haben?
Torben: Uiuiui.
Und jetzt nicht A oder B!
Deniz: Ich seh’ das nicht als Gesamtkunstwerk, weil also es ist ja kein Konzeptalbum oder so was. Ein Gesamtkunstwerk wäre ein Konzeptalbum, find ich und das ist es ja nicht. Es ist ja…Auch wenn es in den Liedern viel um Liebe geht oder so was und es auch immer oft um Befindlichkeit geht, wenn es nicht um Liebe geht, dann stehen die Stücke aber schon alleine für sich. Also ich würde nicht sagen, dass sich ein roter Faden durch die Platte zieht.
Wie war es für euch, als letztes Jahr euer Debütalbum eigentlich durchweg positive Bilanzen bekommen hat? Interessiert euch das, was da in der Presse geschrieben wird?
Deniz: Mich schon. Ich glaub ich würde lügen, wenn mich das nicht interessieren würde.
Die anderen auch? Oder „Scheiß drauf“?
Paul: Nö also… Im Endeffekt „Scheiß drauf“, aber es ist doch interessant, so zu lesen über sich.
Deniz: Ja, aber ich glaube, bei der nächsten Platte wird es glaube ich schwieriger.
Torben: Also ich glaube mich hat „Atzelgift“ mehr interessiert, weil ich da halt noch so Fan war. Deswegen hab ich das natürlich mehr verfolgt, aber ich glaub so als jetzt Musiker wäre es mir egal, also ich glaube ich würde es mir nicht durchlesen. Doch lesen werde ich es wahrscheinlich schon, dann werde ich weinend in meinem Zimmer liegen.
Deniz: Nee, aber ich glaub innerlich stelle ich mich schon darauf ein, dass die nächste Platte mehr verrissen wird.
Torben: Nein.
Weil die Erwartungen so hoch sind?
Deniz: Nö. Ja, vielleicht a, weil weiß nicht, ob die Erwartungen so hoch sind, aber ich glaube b, weil bei so einem Debütalbum ist man leichter dazu hingerissen als Schreiber, es nicht zu verreißen.
Torben: Oder die Lieder sind jetzt besser.
‚Irgendwer’: Das halte ich für ein Gerücht.
Torben: Ja, die Lieder sind viel besser.
Rasmus: Gerade junge Bands, da kann man viel besser draufhauen.
Deniz: Stimmt, auf junge Bands kann man viel besser draufhauen. Vielleicht ist es auch Quatsch was ich hier erzähle. Aber ich rechne immer mit dem Schlimmsten.
Die meisten Texte wurden bisher ja von Deniz und Rasmus geschrieben, wie sieht das im Moment aus, haben Paul und Torben bei den neuen Liedern textlich auch etwas beigesteuert?
Deniz: Paul und Torben dürfen grundsätzlich nichts zu den Liedern beitragen.
Torben: Ich als Neuer hab sowieso nichts zu sagen.
Deniz: Torben ist quasi der Jason Newsted von Herrenmagazin.
Rasmus: Kritik wird sofort abgebügelt, außer ich übe sie an mir selbst.
Deniz: Ne also musikalisch…Musik haben wir damals schon immer alle zusammen gemacht und das machen wir also zumindest was die Feinausarbeitung… Ne, Feinausarbeitung ist auch falsch, Feinarbeit…Was den Feinschnitt angeht haben wir das immer schon zusammen gemacht und das hat sich auch nicht geändert, aber die Texte werden nach wie vor von mir und Rasmus geschrieben.
Und ihr feilt dann zusammen dran rum, damit die auch jeder tragen kann?
Deniz: Ja.
Torben: Deniz’ Motto ist: ‚Kritik ist niemals angebracht.’
Deniz: Es sei denn gute.
Hat man manchmal Angst in Texten zu viel Persönliches preis zu geben oder gleicht sich das durch den ja schon vorhandenen Abstraktionsgrad aus?
Rasmus: Ich finde, dass wenn man sehr persönlich wird und das auch in den Texten metaphorisch macht, kriegt das sowieso so eine andere Ebene, dass es letztendlich egal ist, weil es dadurch auch viel weiter interpretierbar wird, weil das sind dann ja Sachen die man besingt, wenn es wirklich zu privat wird, die kein anderer weiß oder in die nur ganz wenige Leute das hineinlesen können, was wirklich drinsteckt. Von daher ist es dann nämlich egal, wenn man jetzt nicht explizit Namen erwähnt. Wie wenn ich jetzt über den kindischen Bassisten schreiben würde.
Torben: Über den jungen Paul Konopacka.
Deniz: Auf der anderen Seite, hab ich aber auch…wenn ich ein Problem damit hätte über private Sachen zu reden würde ich es auch nicht machen.
Deniz, nächste Woche spielt ihr ja in Duisburg, habe ich gelesen, gibt es bei dir mittlerweile ein „Ruhrgebiet-Pacman-Trauma“? (An.d.Red.: Bei Konzerten der Band im Großraum ‚Ruhrgebiet’ werden stets lautstark Lieder der alten Band von Deniz und Philipp namens Pacman gefordert.)
Deniz: Nein, es gibt kein Trauma, weil Pacman,das ist zwar durch, die Nummer ist durch…äh gegessen, aber ich würde mich total freuen und das würde ich auf diesem Wege gern tun, wenn der Typ, der Pacman-Fan ist, mir die Aufnahmen schicken würde, weil ich hab die Aufnahmen alle nicht mehr. Nichts mehr von früher. Schickt uns alle die Pacman-Sachen, die ihr noch habt, wirklich ich hab nichts mehr.
Was für ein Verhältnis habt ihr zu eurem Publikum?
Paul: Sex.
Deniz: Also wir haben zu unserem Publikum ein sehr gutes Verhältnis.
Paul: Ich glaub unser Publikum ist relativ dankbar immer.
Deniz: Ja, aber es gibt ja… Ich weiß ja gar nicht, ob man so sagen könnte ‚das klassische Herrenmagazin-Publikum’, ich mein die Tour die wir jetzt gespielt haben, die erste, das war jetzt auch nicht ungefähr so, dass man sagen könnte das war megavoll oder ist ja total ausgeartet da irgendwie und es war immer `ne recht überschaubare Menge von Leuten. Umso schöner war es danach mit allen zu reden und die Leute kennen zu lernen. Und insofern würde ich sagen haben wir ein gutes Verhältnis zu unserem Publikum, also es ist nicht so, dass ich Angst vorm Publikum hätte. Angst, ja, es gibt ja vielleicht auch Leute, die mögen ihre Fans nicht oder so, aber das ist ja Quatsch.
Torben: Arschproleten sind das.
Deniz: Arschproleten sind das. Ich glaube auf der Tour, die wir gespielt haben, würde’ ich mit jedem Typen, der auf dem Konzert war würde ich auch Bier trinken wollen.
Das ist ein guter Abschluss für die Frage. Warum ist eure Homepage seit geraumer Zeit nicht mehr abrufbar, wird sie irgendwann wiederbelebt werden?
Deniz: Ja, das hat damit zu tun, dass Philipp, unser ehemaliger Gitarrist, wie…
Torben: a.D.?
Deniz: Unser Gitarrist a.D., ist der Web-Manager, ja und sagen wir mal er hat andere Dinge, um die er sich im Moment kümmern muss und da steht unsere Webseite nicht besonders weit oben in seiner Topliste, in seiner To-Do-Liste
Paul: Der war im Urlaub.
Deniz: Genau, seit mehreren Jahren und darum wird unsere Webseite im Moment nicht abrufbar sein, aber bald wird es schon eine neue Seite geben. Wir haben schon wieder spannende Rubriken in der Pipeline sozusagen, die wir machen wollen und die „Wartevase“ wird ausgebaut werden, wir werden einen Restaurant…ähm
Paul: Einen Gastroführer!
Deniz: Genau, einen Gastroführer werden wir rausbringen und das wird alles spitze werden.
Also die nächste Frage ist jetzt etwas…
Deniz: Keine Angst frag sie ruhig. Deine Fragen waren alle schon besser, als die meisten Fragen, die uns gestellt wurden. Du brauchst also keine Angst haben, ich glaube es kann nicht schlechter werden.
Die passt jetzt nur zeitlich nicht mehr so gut. Welche Bands werdet ihr euch heute noch ansehen nach eurem Auftritt?
Deniz: Ich hab mir Turbostaat angeguckt, ich darf nicht so laut reden, dahinten steht er.
Torben: Du darfst vor dem Auftritt nicht vergessen.
Deniz: Ah, die Band Klez.e von unserem Produzentengott Tobias Siebert, der mein Mensch 2007 ist und ich glaub er wird auch mein Mensch 2009 sein, weil wir 2007 die letzte Platte aufgenommen haben und 2009 jetzt die neue Platte aufnehmen. Seine Band ist der absolute Wahnsinn und jeder sollte das eigentlich auschecken. Die andere Band Turbostaat, da hab ich mich wahnsinnig drauf gefreut und wurde auch nicht enttäuscht. Und dann freu’ ich mich auf Frittenbude. Ich hab heut’ morgen nur Frittenbude gehört, weil ich hab die ganze scheiß Nacht nicht geschlafen, hab’ eine Stunde geschlafen.
Stichwort Abi-Festival…Da liegt die Frage nach dem „Abitur“ bzw. der Schulzeit nahe, weckt dieses Stichwort schlimme Erinnerungen bei euch?
Deniz: Nein, also meine Schulzeit war sehr gut, also meine Schulzeit war ehr schlecht bis zur 9.Klasse, da bin ich sitzen geblieben das erste Mal, dann bin ich fast noch mal sitzen geblieben und dann bin ich aber auf ein Internat gekommen und da hab’ ich Paul kennen gelernt und Philipp kennen gelernt. Und meine Schulzeit, vor allem ab der 9.Klasse, war meine Schulzeit spitzenmäßig.
Auch spitzenmäßig abgeschlossen?
Deniz: Nein, eher schlecht abgeschlossen. 3,0 Abi hab’ ich gemacht.
Hauptsache abgeschlossen. Deniz, du hast bei einem der letzten Konzerte mal gesagt in einem der neuen Lieder ginge es um deine Ausbildung, was würdet ihr allen frischgebackenen Abiturienten raten: Ausbildung, Studium oder besser nichts machen?
Deniz: Erst nichts machen, dann Ausbildung, dann studieren.
Paul: Nein, erst nichts machen, dann saufen, dann studieren, dann nichts machen und dann saufen.
Torben: Studium ist ja heute kein Studium mehr wie wir es damals hatten, also wie ich das hatte, heute ist ja… Wie nennt sich das? Bachelor? Da müssen die ja so Programme durchziehen, deswegen würde ich nicht mehr zum Studium raten. Bei uns war es damals so, wir konnten studieren, uns eintragen und Kurse belegen wie wir wollen.
Deniz: Also würde tatsächlich jedem raten, ich hab’ ne Ausbildung gemacht und es hat mir tatsächlich nicht geschadet.
Torben: Sind wir uns alle einig, dass wir allen raten können, dass sie bitte niemals versuchen sollen mit Musik Geld zu verdienen?
Deniz: Genau, da.. also insofern… Hauptsache sie machen keine Musik.
Ja, die Frage hatte ich auch ursprünglich mal vorgesehen, fand ich dann aber doch ein bisschen doof. Ist es für euch realistisch mal mit der Musik Geld zu verdienen?
Deniz: Vollkommen unrealistisch. Weißt du man merkt, an dem Punkt, wo man die Steuerabrechnung macht, die Steuererklärung für die GbR, die man gründen muss, damit man überhaupt eine Band haben kann, die einigermaßen funktioniert, wenn man dann die Steuererklärung macht…
Paul: Dass es eigentlich ein Verein ist.
Deniz: Es ist ein gemeinnütziger Verein.
Zu guter Letzt noch einmal einen ganz lieben Dank für das Interview, es war sehr schön.
(T.resa)

















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