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BOY »Mutual Friends«


Es bedarf keines großen Produzenten, der mit seinen immergleichen Beats die Band Richtung Charts schiebt. Und es braucht auch keine Full Size Band, um dem deutschen Musikgeschäft ordentlich einzuheizen. Es reicht allein Valeska Steiner und Sonja Glass zu sein und sich BOY zu nennen.

BOY – Little Numbers by FLEXXTERN

Ich weiß noch ziemlich genau, wann ich das erste Mal “Little Numbers” von BOY gehört habe. Es war auf Detektor.FM und ich bin fast wahnsinnig geworden, da das Lied nicht in der Playlist angezeigt wurde. Gute zwei Wochen hat es gedauert, bis ich das Lied zu Gehör bekam. Dieses Mal achtete ich genauer drauf und bekam den Titel mit. Meine Neugierde stieg und bei einschlägigen Videoportalen wird schnell klar: Die kommen aus der Schweiz! Zumindest zur Hälfte.

Valeska Steiner aus Zürich trifft Sonja Glass in Hamburg beim Popkurs Hamburg, im entferntesten Sinne eine Kontaktbörse für Musiker und die, die es noch werden wollen. Die musikalischen Geschicke der beiden ergänzen sich so harmonisch, dass Valeska Steiner kurzerhand nach Hamburg zieht. Über einen langwierigen Prozess von mehr als anderthalb Jahren schreiben sie gemeinsam Musik, veröffentlichen eine erste EP und werkeln an ihrem Debütalbum. Das wiederum entstand in Berlin Grunewald, bei einem befreundeten Produzenten, der sein Kinderzimmer zum Studio umfunktioniert hatte.



Mit “Mutual Friends” können sie schließlich Grönland Records für sich überzeugen. Und das kleine Indie-Label, das unter anderem auch Broadcast 2000 und William Fitzsimmons beherbergt, hat mit BOY einen wahrhaftigen Glücksgriff gemacht, wie Labelchef Herbert Grönemeyer zu seinem neuen Projekt sagt: “Boy ist lebensbejahende, augenzwinkernde, vortreffliche, klare Musik. Direkt von tiefen Herzen, melodiös, becircend. Wohltuend!”.

Und wir alle können ihm nur beipflichten: Mit der Devise „Weniger ist mehr mehr“ haben die beiden Damen zwölf Tracks vorgelegt, die in sich stimmiger kaum sein könnten. „Mutual Friends“ überzeugt auch ohne Schmalz, schweren Herzschmerz und die Leiden des täglichen Lebens. Vielmehr geht es thematisch in den Songs um das Erwachsenwerden als solches.

„Drive Darling“ etwa handelt von der Entscheidung von Sängerin Valeska, von Zürich nach Hamburg zu ziehen. Das Gefühl von Unsicherheit und Neugierde schwebt im Refrain mit ohne schnulzig zu werden. “Skin” beschreibt den alltäglichen Wahnsinn in einer bebenden Stadt zu überleben, nicht aufgrund von irgendwelchen natürlichen Feinden, sondern meint BOY hier vielmehr das Überleben im Sinne vom Nicht-Alleinsein, vom Kampf gegen das Vergessenwerden. Viel beschwinglicher dagegen ist die erste und aktuelle Single “Little numbers”, die gefühlt überall zu hören ist und dem Sommer-Herbst ein angenehm warmes Gefühl verpasst.

Und während die Handclaps und Chorgesänge noch im Kopf nachhallen, verliebt man sich heimlich in “Mutual Friends” und weiß, dass man hier für die nächsten Monate und gar Jahre einen neuen Freund gewonnen hat, der immer für einen da ist, wenn man ihn braucht.

(VÖ: 02.09.2011 / Grönland Records)

listentoboy.com/
groenland.com/artist/boy/


(Koksi)

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