Clinic »Funf«
Es gibt das Vorurteil, eine Clinic-Platte klänge immer gleich. Man könnte alle Alben durcheinander mischen und neue Tracklisten erstellen und man könnte die Alben nicht unterscheiden.
Man könnte auch sagen, Clinic hätten es von außen betrachtet schwer. Niemand würde ihr Gesamtkunstwerk würdigen. Man kann vieles über Clinic sagen. In den meisten Fällen liegt man allerdings falsch damit.
Seit 4 Alben, einer frühen Kompilation ihrer ersten drei EPs und etlichen Singles, die sie seit Mitte der Neunziger veröffentlichten, hat sich Clinic zu einer Band etabliert, bei der man keine bestimmte Erwartungshaltung zeigen sollte und jedes Mal aufs Neue nicht enttäuscht wird.
Ihre ewig selbe Stilkammer bringt den Liverpoolern entweder Verständnislosigkeit oder in vielen Ohren Begeisterung entgegen.
Zwischen Psycho-Punk-Zweiminutern, Morricone-Referenzen, zarten Elektroschlägen und dem sehr befremdlich-süßlichen Gesang bewegt sich die Liverpooler Klinik unentwegt auf der Reise zur perfekt-perfiden Filmmusik.
Auf ihrer nun erschienenden B-Seiten-Platte präsentiert sich Clinic wie man sie kennt, jedoch noch eine Spur kürzer (29 Minuten Spielzeit), noch psychadelischer. Ihre B-Seiten auf „Funf“ sind nicht komplett, es ist nur eine Auswahl, die jedoch besticht. Alle Songs wirken wie eine Abstraktion und Multiplikation im Raum. Sie treiben es mit Ihrer Eigensinnigkeit auf die Spitze, brechen gar mit Ihrer Tradition keine Texte im CD-Booklet abzudrucken, so denn auf den Liedern überhaupt gesungen wird. Eine sehr interessante Rückschau auf viele Jahre Kreissaal und ein wahrhaftig kurzer und intensiver Einblick in das voluminöse Potenzial eines sich live rar machendem Quartetts.
Clinic sind so etwas, wie die coole geheime Lieblingsband, die der Freundeskreis eh nicht mehr verstehen wird. „Funf“ wird auch keine neue Fanschar erschließen, geschweige denn erreichen. Diese Band, die in einem kurzen Gespräch 2000 nach einem Konzert als Vorband von Radiohead verriet, dass sie sehr stolz seien mit Bands wie Pavemant das Label zu teilen, wird wohl noch nach dem 20. Album der aufregende Geheimtipp bleiben, der es Jahr für Jahr, Veröffentlichung für Veröffentlichung schon ist.
(tetze)

















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