Dear John Letter »Part & Fragment«
Als die Augsburger Band Dear John Letter im Spätsommer 2008 ihr Debütalbum „Between Leaves/ Forestal“ veröffentlicht, hörte die deutsche Musikszene plötzlich wieder auf. Es war der düstere Postrock, der sich dort in sechs Stücken melodisch in den Ohren der Hörer hinein manifestiert hat.
Zwei Jahre später erscheint der Nachfolger „Part & Fragment“. Das Album wird geschmückt von einem besonderen Artwork, das die Augsburger Altstadt widerspiegelt und in dem auch die Songtitel an der einen oder anderen Stelle eingearbeitet sind. Ein junger Mann seilt sich von einem brennenden Fenster zu einer sicheren Wohnung herüber.
Betrachtet man einmal die musikalische Entwicklung von Dear John Letter, könnte man meinen, in dem zu rettenden Jungen steckt die Band drin. Denn während, wie gesagt, das Debütalbum noch düsterer und experimenteller Postrock war, ist die aktuelle Scheibe eine wesentlich poppigere und radiotauglichere Version des Ganzen. Geht das süddeutsche Gespann also doch den sicheren Weg und macht lieber langweiligen Pop, als zu riskieren, auf Ablehnung zu stoßen?
Darüber muss sich wohl jeder selbst sein Urteil bilden. Fest steht allerdings, dass Martin Fischers Gesang deutlich öfter zum Einsatz gebeten wird und dass Postrock fast gänzlich durch einen helleren Klang von Artrock ersetzt wurde. Aber gut: Stiländerungen haben ja schon einige Bands hinter sich. Die Band muss schließlich dann selbst entscheiden, ob sie bereit ist, die Fans, die sie durch ihr Debütalbum gewonnen haben, durch den Nachfolger eventuell wieder zu verlieren.
Andererseits ist die Musik auch zugänglicher geworden, geordneter. Hier ist in gewisser Weise ein roter Faden zu finden, der mit dem Opener „You remain unshakeably calm“ beginnt, sich bis zu „Crux“ ausweitet und einen Höhepunkt aber auch das Ende in „Kandi“ findet, eine Nummer, die jegliche Veränderungen und Brüche im Ganzen noch einmal zusammenfasst.
Fans von Porcupine Tree könnten durchaus entzückt sein. Auch Musikliebhaber von Archive könnten sich musikalisch hier wiederfinden. Allerdings seien hiermit auch jene Dear John Letter – Fans der ersten Stunde vorgewarnt. „Part & Fragment“ ist kein „Between Leaves/ Forestal“ 2.0.
(VÖ 15.10.2010 / Labelship)
dearjohnletter.de
myspace.com/dearjohnletterger
(Koksi)

















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