» Kabelblume » Delbo »Grand Finesse« Delbo »Grand Finesse« » Von mo » Delbo, Das, Musik, Augen, Menschen, Tönen, Es, Ende, Lied, Album, Finesse, Möglichkeit, Weise, Zeit, Man, Als, Die, Zeitpunkt, Anfang, Momenten » » Kabelblume

Delbo »Grand Finesse«

delbo grande finesseDelbo und ich. Keine leichte Geschichte möchte ich zu Anfang sagen, denn ich kann mich noch genau an den Abend erinnern, als ich die Band das erste Mal bewusst wahrgenommen habe. Die Party, auf welcher “Indie” gespielt wurde, fand in einem Club statt, in dem sonst eher elektronische Musik läuft. …


[mp3 url="http://cache10-music01.myspacecdn.com/76/std_afe666c365ad0ee398f662d944153742.mp3?bandid=28366075&songid=97201394&token=1201347583_5517926966e0a417af587ae31719da57&p=aHR0cDovL2NhY2hlMTAtbXVzaWMwMS5teXNwYWNlY2RuLmNvbS83Ni9zdGRfYWZlNjY2YzM2NWFkMGVlMzk4ZjY2MmQ5NDQxNTM3NDIubXAz&a=1"]delbo – apricot[/mp3]

…Um mich herum ein paar Leute, mit denen ich zu dem Zeitpunkt noch nicht viel mehr teilte als ein paar Bier, ein paar Gespräche und die Liebe zu den Tönen. Es war alles relativ neu. Die Musik, die Menschen, die Attitüde und natürlich Delbo. Das war damals wie ein Phantom. Nahm man den Namen in den Mund, dann begannen die Augen dieser Menschen zu leuchten. Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, warum und konnte es mir auch nur schwer vorstellen. Meine Favouriten in deutschsprachigen Gefilden waren damals nämlich ganz klar Kettcar.

Als sich die Nacht dem Ende neigte und schon langsam der Morgen dämmerte wurde ein Lied gespielt, dessen Anfang mich immer noch an eine Schreibmaschine erinnert. Ich tanzte mit einem leichten Lächeln auf den Lippen dazu, ohne zu wissen, wer denn da die Instrumente bedient. Als ich nachfragte kam als Antwort: “Mensch, das war Delbo und das Lied heißt Rakete” und mich beschlich eine leise Vorstellung davon, warum es dieses Leuchten in den Augen gibt.

3 Jahre später heißt es Rekapitulation. Delbo waren in dieser Zeit oft der Soundtrack zu Geschichten, die man gar nicht erzählen kann, weil Sprache dafür in keinster Weise ausreichet. Das braucht es auch gar nicht, denn Delbo sind das Taumeln der Euphorie, das Vor und Zurück der Schultern im Takt, obwohl man schon zu betrunken zum Tanzen ist, das Erinnern an die wirklich wichtigen Dinge, aber auch das Noch-Fester-Zugreifen, bevor man sich qualvoll aus einer Umarmung befreit, mit der man für lange Zeit Abschied nimmt oder die Träne, die man eigentlich nicht weinen will und sie deswegen ganz heimlich, still und leise aus den Augenwinkeln wischt.

Irgendwie passend also, dass man das französische finesse im Titel auf verschiedene Weisen übersetzen kann:

Finesse ist die Durchtriebenheit, welche diesem Album innewohnt. Es ist die Möglichkeit das Harte und Starre so zu durchdringen, dass dabei die Unerbittlichkeit verloren geht, aber auch die Feinheit, welche Zustände nachzeichnet, die sich in der eigenen Biographie zuhauf finden lassen. Der Finger wird mit Scharfsinn genau dorthin gelegt, wo es in den stillen Momenten weh tut und die Töne vermögen es den Schmerz zu lindern. Und nicht zuletzt ist es die Zerbrechlichkeit, die wir alle in uns tragen, die wir aber meist zu gut verstecken, weil die Angst vor dem Zusammenbrechen stärker ist, als die Möglichkeit sich vom anderen in solchen Situationen stützen zu lassen.

Grand Finesse ist eine Kombination dieser Versatzstücke zu einem Album, welches auf eine sehr schöne Art und Weise so bewusst den Begriff Pop ansetzt, wie man ihn auf dem Vorgängeralbum Havarien weggelassen hat. Auf einmal ist der delbotypische Sound durchsetzt von einem Horn, einer Flöte oder einem Cello und der Fokus liegt auf einmal darauf, die Harmonien auszubauen und den leisen Tönen mehr Platz zum Atmen zu lassen.

Man hat das Gefühl, als hätten Delbo den Mittelpunkt, der auf den anderen Alben noch gesucht wurde, endlich gefunden. Das geschieht ohne irgendwelche Einbußen der Komplexität, denn trotz allem ist es Musik, die einem großen Haus gleicht, in dem jedes Zimmer ein wenig anders aussieht. Man muss sich seine Räume selbst einrichten. Natürlich dauert das alles ein wenig, aber am Ende ist es dafür umso gemütlicher.

(VÖ 25.01.08 / Loobmusik)

delbomat.de
myspace.com/delbomat


(mo)

  • Keine(r)
  • Kommentar verfassen