Der Elegante Rest »Warten auf das Ende der Welt«
Es begab sich aber zu einer Zeit, da fuhr Manne Krug noch nicht durch das türkische Hinterland, um mit seinem Truck auf Achse irgendwelche hinterlistigen Gangster zu jagen und zur Not auch mal einen linken und rechten Haken auszuteilen. Ich hegte in meiner Kindheit eine Abneigung gegen Samson aus der deutschen Sesamstraße und damals, ja damals, hätte ich sicherlich alles gegeben
…wenn Manfred Krug seine Faust in des Riesenbären Gesicht gerammt hätte. Wahrscheinlich lag mein Hass auf Samson in deren tollpatschigem Auftreten und seinen XXXXL-Turnschlappen begründet.
Nun hatte Herr Krug nicht nur durch TV-Präsenz von sich Reden gemacht, sondern auch weil er ein talentierter Songschreiber und Sänger war. An eben jene leicht knorrige Art zu singen erinnert mich auch die Stimme von Jörg Wolschina von “Der Elegante Rest” und deren Texte auf Deutsch, die sicherlich nicht in jedes Radio passen.
Was mich aber dazu bringt, das Album “Warten auf das Ende der Welt” zunächst einmal sensationell gut zu finden und kein “Wenn” und “Aber” einzustreuen, ist, dass ich endlich wieder einmal ein Album mit neuer Musik höre, wo ich Spaß und Freude habe, kleinste Details in den Sounds zu entdecken. Die Texte pendeln immer zwischen Krug, Element of Crime, Rio Reiser und Klaus Lage (ja, auch abseits von NDW gibt es wichtige Referenzen aus den deutschen 80ern). Die Gitarrenarbeit eine feine Aufzählung an britischem Beat und Britpop. Gitarrenwände und Effektgewitter, dass selbst ein Phil Spector neidisch wäre.
“This is Hardcore”? Naja, vielleicht ist es einfach hardcore-mutig, sich nicht auf den leichten Mittelweg zu stellen und zu warten, bis das Radio das 5er-Gespann mitnimmt auf die Heavy Rotation. Lieber nimmt “Der Elegante Rest” uns mit auf einen Road Movie durch das akkustische Theater, mit all seinen Achterbahnfahrten, Ausflügen zum Silbersee um Rehe zu beobachten, halsbrecherischen Fahrten um den Kreisverkehr und beim Aussteigen werden noch Geschenke verlangt und Daumenlutscher verdammt.
Zum Ende des Jahres ein lauter Ruf aus Leipzig und Berlin, den (Wahl)-Heimaten der Jungs, voller Leidenschaft und Wortwitz.
(VÖ 28.10.2008 / Palmo Records)
myspace.com/dereleganterest

(tetze)

















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