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Estuar »Felicium«

Viel Schweiß und Blut steckt in dem Debütalbum von einer Band, die es bereits seit 2003 gibt. Estuar aus Hamburg legen sich auf keinem Genre fest. Ihr eigenwilliger Sound siedelt sich irgendwo zwischen klaren Linien des Indie-Pop und aufwendigem Country-Folk an. In “Felicium” findet niemand etwas, was er bereits erwartet.

Doch beginnen wir von vorn. So wird das Album Cover schlicht und doch bedacht in schwarz-weiß-gelb gehalten. Ein verruchtes Gesicht verbirgt sich hinter einem schwarzen Kreis, über dem ein country-eskes ‘E’ prangert. Estuar. Und so experimentell das Cover, so lässt sich auch die Musik beschreiben. Hier treffen sanfte Balladen auf knarrende Gitarrenmusik. Männlicher und weiblicher Gesang wechselt sich ab. Und ebenso abwechslungsreich sind auch die verwendeten Instrumente. Ein Genre für diese Band zu finden, wird daher nur umso schwerer.

Entgegen meiner Schwäche für Ausgefallenheit in der sonst zunehmends glanzlosen Popmusik wird aber auch genau dadurch etwas getrübt. Eben diese unberechenbare Vielfältigkeit macht es mir nämlich anfangs keine leichte Aufgabe, “Felicium” ohne Ohrenwummern zu hören. Entzückte Melodien beißen sich mit teils widerspenstigem Gesang. Das mag vielleicht auch zurückzuführen sein auf die unterschiedlichen Kulturen, die in dieser Band zusammentreffen. Denn hier findet sich nicht nur das typisch Deutsche. Auch fliegt ein gewisser spanischer und französischer Flair durch die Luft. Jeder dieser Sprachen hat auch musikalisch eine ganz andere Herangehensweise. Und ich kann mir nicht helfen, aber ich werde den Eindruck nicht los, dass die Stilmischungen nur allzu gut gemeint sind.

Doch entgegen dieser Kritik ist auch wiederum zu sagen: dieser Bruch ist auffällig und bleibt in Erinnerung. Vor allem “High Heels” macht letztlich mehr als gute Laune. In dem Mix von spanischem Flair der Sängerin Helena de Pablos und dem teils rockigen Country, der an das moderne Amerika erinnert, wird das Tanzbein geradezu angetrieben, sich zu bewegen. Anders ergeht es mir nicht bei Songs wie “Locate The Fire” oder “No Words”.

Estuar‘s “Felicium” ist ein durchaus vielversprechendes Debütalbum. Auch wenn man teilweise den Eindruck bekommen mag, dass die Band aus Hamburg noch nicht so ganz ihren eigenen Stil gefunden hat, haben sie bereits einen guten ersten Schritt in Richtung ‘individuelles Dasein in der Musiklandschaft’ gemacht.

estuar.de
myspace.com/estuar


(Koksi)

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