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Girls »Album«

Dass man heutzutage nichts mehr neu erfinden muss, um gute Musik zu machen, beweisen Girls aus San Francisco. Das Duo hat gerade ihr Debütalbum mit dem angemessenen Namen „Album“ auf den Markt geworfen, nachdem ihr Name schon in verschiedensten Zusammenhängen immer öfter aufgetaucht ist.

Auf „Album“ befinden sich 12 Titel von fast schon verbotener Eingängigkeit, die sich zwar teilweise eindeutig an schon Dagewesenem orientieren, die ihrer Schönheit aber nie schaden. Ihr Song „Morning Light“ erinnert beispielsweise fatal an „Mote“ von Sonic Youth und „Ghost Mouth“ besitzt exakt den gleichen Beat wie „Just Like Honey“ von Jesus & Mary Chain, andererseits stammt der wahrscheinlich im Original eh von Phil Spector und ist fast 50 Jahre alt.

Außerdem muss man sich wahrscheinlich nur einmal ihre Single „Lust for Life“ anhören und ob man mag oder nicht, das Lied bleibt einem verdammt lange im Kopf hängen. Das Songwriting ist von simpler Schönheit, die Musik führt das immer wieder neu auflebende Shoegaze-Revival fort. Langsame Basslinien über einfache, sich endlos wiederholende Beats, heller Gesang und durchrauschende Gitarren, die viele ihrer Songs zu psychedelischen Siebenminütern auswachsen lassen. Und natürlich Hall, Hall, Hall!

Von bestechend unschuldigem Weltschmerz sind auch die Texte. Es geht um Liebe, Trägheit, Sonnenuntergänge, Drogen, Beisammensein, Einsamkeit… Wie authentisch das ist, kann man nur vermuten, ein spannendes Portfolio besitzen die Beiden aber allemal. Der Eine, ein jahrelang relativ erfolglos durch verschiedenste Bands tingelnder Songwriter, der Andere ein in ganz San Francisco berüchtigter Frauenheld.

Girls ist nicht nur einer der besten Bandnamen der letzten Zeit, er ist auch ein Versprechen, das eingehalten wird. Auf Fotos posieren die Zwei zwischen Dutzenden leichtbekleideten Hippiemädchen, in ihrem Booklet findet sich für jeden ihrer Songs ein Porträt einer anderen jungen Frau, anderswo finden sich wieder Rosen, Sonnenuntergänge und sehr lange Haare.

Girls sind unheimlich aufregend in ihrer bunten Mischung aus Nostalgie, Universalverkitschung und Verdrogtheit. Und dann wäre ja noch ihr unbeschreiblich wunderbarer Song „Hellhole Ratrace“, in dem die ersten Zeilen lauten:
“I`m sick and tired of the way that I feel / I`m sick of dreaming and it`s never for real. / I`m all alone with my deep thoughts. / I`m all alone with my heartache and my good intentions.”

Der Song hat sehr gute Chancen, eine von diesen großen Hymnen zu werden, über die später mal geschrieben wird, sie hätten das Lebensgefühl einer Generation widergespiegelt. Nur dass das wohl das Lebensgefühl von jeder Generation war.

(VÖ: 15.11.2009 / Fantasytrashcan)

myspace.com/girlssanfran


(thadeus)

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