Hias »Sechsundzwanzig«
Hias ist der Gitarrist von Chronos. Chronos ist eine schon ziemlich laute Post-Rock-Combo. Hias jedoch ist alleine gar nicht so laut. Im Gegenteil. Ein Minimalist sozusagen, beschränkt auf Stimme und Gitarre. Und das reicht dann auch schon völlig aus, um des Hörers vollkommene Aufmerksamkeit und Hingabe zu bekommen. Nach zehn Jahren des Musizierens hat es endlich zu einem vollwertigen Album gereicht, dass nun erscheinen wird und uns ziemlich in seinen Bann gezogen hat.
“Sechsundzwanzig” ist eine Sammlung von neun Songs, nein, von neun kleinen Meisterwerken der Lyrik, der Poesie, der Traurigkeit, des Dunklen. “Irgendwann gehen uns die Worte aus, und was wird dann sein? Sag mir, welchen Klang teilen wir, wenn nicht dieses Schweigen?” fragt er im ersten Song. Und man könnte die folgende halbe Stunde dann vielleicht als eben dieses in Worte und Musik gepackte Schweigen ansehen.
Einfachste Instrumentation trifft auf tonnenschwere Worte, die mitten ins Herz zielen und das völlig ohne Pathos. “Vertagt, was der Anfang des Jahres nicht zerbrochen hat, als sie gegangen war.” heißt es in “Vertagt”. Fast schon flüsternd singt Hias diese Worte zu den leisen Klängen der Akustikgitarre. Und singt davon, wie es ist, wenn aus einem Wir plötzlich ein Ich wird.
Viele Fragen werden gestellt, eine Verzweiflung, die sich in alle Songs schleicht, überkommt einen. Es geht um Neins, um das Warten, dass einen kaputt macht, langsam aber sicher. Es kann sein, dass das alles ziemlich klischeehaft klingt, doch nur im ersten Moment. Am Ende ist das ein ehrliches Kunstwerk, das tief blicken lässt. Und man glaubt ihm das, was er da singt. “Müde vom Nichts, das sich auf mich legte, floh ich hinab” und nahm den Hörer gleich mit.
Es ist vielleicht ein ungünstiger Zeitpunkt, ein solch schwermütiges Album mittem im Frühling zu veröffentlichen, wenn alle Menschen nach Zerstreuung und Liebe wetteifern. Das sei mal dahingestellt. “Sechsundzwanzig” ist kein Album, was leicht verdaulich ist, ein Kloß im Hals bleibt. Und nein, man sollte es nicht hören, wenn man in Gesellschaft im Park liegt und der Sonne zuschaut, wie sie alles in goldenes Licht taucht. Es ist ein Album für einen Abend zuhaus, indem man sich wieder einmal die alten Fragen stellt. Und dann weiß man, dass man nicht alleine ist damit. Und das beruhigt.
“Sechsundzwanzig” ist ein bemerkenswertes und mit vollkommener Schonungslosigkeit offengelegtes menschliches Vermächtnis, das ohne Pathos das sagt, was eigentlich so einfach ist. Hias schafft mit seiner beruhigenden und doch verzweifelten Stimme und der einfachen Instrumentierung etwas, was viele mit tausend Gitarrenwänden nicht schaffen. Und das ist große Kunst, das ist ehrliche Kunst.
Veröffentlicht wird das Ganze via Mikrokleinstgarten. Das kleine Dresdner Label hat es sich auf die Fahnen geschrieben, mit Liebe und Sorgalt zu pflegen, was den Herzen einzelner entspringt. In diesem Fall: dem Herzen von Hias. Die CD kommt im stillvollen Aufklappcover und einem Booklet mit traurigtristen Sepia-Fotos. Das Gesamtkunstwerk “Sechsundzwanzig” ist somit komplett und könnte besser wahrscheinlich nicht sein. Jetzt heißt es Zuhören, was Hias uns zu sagen hat. Und das tun wir gerne, immer wieder.
(VÖ 01.06.2010 via Mikrokleinstgarten)
(moneybernd)

















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