» Kabelblume » Louis Eliot & The Embers »Kittow’s Moor« Louis Eliot & The Embers »Kittow’s Moor« » Von tetze » Louis, Eliot, The, Band, Cornwall, Bands, Album, Weise, Heimat, Rialto, Songs, Morricone, Lieder, Die, Nachdem, Eliots, Man, Ein, Für, Region » » Kabelblume

Louis Eliot & The Embers »Kittow’s Moor«

Cornwall ist eine sehr eigentümliche Region im Südwesten Englands. Rosamunde Pilchers Romane finden hier immer wieder “Time and Place”. Kitsch liegt in der Luft. Der keltische Background dieser zauberhaften Landschaft ist nicht zu leugnen, alleine der kernische Name für Cornwall, Kernow, den die Menschen, die dort leben, gerne wählen, zeugt vom Bekenntnis zur Vergangenheit und zur Liebe zu ihrer Heimat. Im Gegensatz zum Rest Britanniens ist das Klima Cornwalls deutlich vom warmen Golfstrom geprägt. Erreicht man “Land’s End” oder besucht man St. Ives glaubt man eher im Süden Frankreichs denn in England zu sein.

Genau aus dieser Region stammt der Engländer Louis Eliot. Wahrlich weltbekannt und berühmt wurde der direkte Nachfahre des Grafs von Saint Germans (Louis Eliot ist einer der wenigen Menschen, die im House Of Lords sitzen dürften, wenn die Rangfolge des Adels es erlaubt) mit seinen Bands, die in den 90ern zu Ruhm und Ehre kamen. Zunächst war dort “Kinky Machine”, eine Band, die in der Tradition von Bands wie Elastica, den frühen Blur oder auch Ash stand. Nachdem diese Band sich in “Rialto” umbenannte, änderte sich ihr Sound grundlegend.

Die Band schien sich dem Schreiben von Songs für das Widescreen-Kino zu verschreiben. Ennio Morricone muss das große Vorbild für diese durch und durch dramatischen, pathetischen Lieder gewesen sein. Unbedingt zu nennen sei ihr Gigantenhit “Monday Morning 5.19″. Ein Eifersuchtsdrama in Ton-Form. Nicht weniger leidend klingt “Untouchable”.

Nachdem Rialto seinen Majordeal bei EastWest-Records verloren hatte, musste die Band kleinere Brote backen, sattelte auf Eagle Records um, verkleinerte die Band von 6 auf 4 Mitglieder. Der Pomp um das erste Album wird durch die Besetzung eines zweiten Drummers (!!!) beispielhaft. Auf ihrem zweiten Album “Night On Earth” wurde auch im Geiste Morricone entlassen und durch Depeche Mode ersetzt. Zu deutlich klangen doch die Referenzen im Electropop-Bereich. Ein fantastisches Album, in sich aber zerrissen. Vom Pet Shop Boys-esquen “Idiot Twin” zum disneyhaften Superkitsch “Underneath The Distant Moon” lagen nur wenige Songs.

Konsequenter Weise zerbrach 2002/2003 die Band an ihren Ansprüchen. Aus der großen Weltkarriere wurde nur eine Umsegelung des Planeten und Louis Eliot begann auf Solopfaden zu wandeln. 2004 erschien sein Solodebüt “The Long Way Round”, dass von der Rialto-Brücke zurück nach England führte. Thematisch wird das Urbane thematisiert (“Heart Shaped Bruise”), sowie vermute ich im tristen “Everybody Loves You When You’re Dead” eine Abrechnung mit der Vergangenheit, aber auch ein Verfahren gegen all die Britpopnostalgiker, die fast vorsätzlich Bands verehren, die es nicht mehr gibt, früher aber nicht unterstützt haben.

Auf der zweiten Solo-Platte ist der Bezug zu seiner Heimat Cornwall und dem Ländlichen unüberhörbar. Frei nach den Aeronauten: “Mit dem Alter fängt man an sich für Countrymusik zu interessieren”.

Louis Eliot ist ein großartiger Songschreiber, was er mit “Kittow’s Moor” wieder beweist. Er schafft es auf wundersame Weise catchy Popsongs zu schreiben und sie mit Folkmusik seiner Heimat zu vereinen. Dazu holte er sich die “Embers” ins Boot. Es erklingen fast aufdringlich Geigen, Harmonika, Mandolinen und Akkordeon. Für Retrofreunde ist diese Platte sicherlich entweder ein Graus oder aber ein Türöffner aus der Welt, des oberflächlichen und gestikulierenden Britpop. Für all jene, für die Louis Eliot nur wie Rialto klingen darf gibt es die alten Platten.

Erfreulicher Weise scheint sich Louis Eliot nicht mehr um sein Image zu kehren. Sein Gesang in dieser ländlichen Akustik scheint nach all den Jahren endlich an seinem Bestimmungsort angekommen zu kommen. Weg all der aufgesetzte Pathos, weg mit dem Druck es irgendwie im Haifischbecken Musik-Biz zu irgendetwas zu bringen. Man meint als blühe um diese dreizehn Lieder die Landschaft auf. Man hat das Großstadtleben irgendwie vergessen und sitzt im Gras und lauscht dieser wundervollen Altherrenmusik mit Begeisterung. Das Wunder an dieser Neuerfindung ist jedoch in der Tat, dass nach zwei Hörgängen all die ländlichen, ja fast keltischen Instrumente nicht mehr stören, sondern ihre Berechtigung haben, um “Kittow’s Moor” zu einer Folkplatte für Popfans zu machen.

Eliots Songwriting ist einfach durch und durch professionell. Seine Texte beschreiben wundervoll lyrisch seine Umwelt. Die britische Musikpresse weiß diese außerordentliche Begabung immer noch zu schätzen und honoriert sich mit entsprechenden Artikeln. Louis Eliots Auseinandersetzung mit der Natur, Weihnachten in Cornwall und den Leuten ist nicht aufgesetzt. Er spielt den Landmenschen nicht nur, sondern tourt seit gut vier Jahren fast ausschließlich in den selben Läden Cornwalls, die so urige Namen tragen wie “The Double Locks”, “The Rod and Line”, “The Barley Sheaf” oder auch “The Crumplehorn Inn”. Und in seinem Kalender stehen diese Namen nicht nur einmal, sondern er steuert sie mehrmals im Jahr an. Eine große Weltkarriere sieht anders aus, doch man kann sich mit Louis Eliot freuen, in Cornwall angekommen zu sein.

(VÖ 23.03.10 / IRL)

louiseliot.com
myspace.com/louiseliot

YouTube Preview Image


(tetze)

  • Keine(r)
  • Kommentar verfassen