Mike Doughty »Sad Man Happy Man«
Ein Mann auf dem Boden sitzend. Der Blick nicht gerade glücklich. Im Hintergrund türmen sich die Instrumente, Radio und sonstige elektronische Geräte auf einem kleinen Holztisch. Mike Doughty aus Kentucky, USA, erweckt fast den Anschein, als wolle mit seinem Blick jemanden töten. Dies sind die schweren Zeiten des Lebens. Aber es wird auch gute geben. Nicht umsonst heißt seine neueste Scheibe “Sad Man Happy Man”.
Um auf Doughtys musikalische Feld zu kommen, muss man vielleicht seine Lebensgeschichte abreißen, denn die spricht so gar nicht für Musik. Aufgewachsen in einer Militärfamilie reiste der junge Doughty viel umher, hatte keine richtige Heimat, musste sich immer wieder zwischen Europa und Amerika hin- und herreißen lassen. Seine Jugend verbringt er auf einer Militärakademie. Wie man es ihm nachsagen kann, sind die Texte grotesk und einfach gehalten.
Doughty geht nach New York um Dichtung zu studieren. Dort gründet er auch seine ersten musikalischen Bandprojekte, die sich eher im Experimentellen ansiedeln. Mit ersten Erfolgen kommt auch die Heroinsucht, die Doughty heute erfolgreich besiegt hat. Da ist es eben – das Rock’n'Roll Leben, wie man es sich vorstellt. Die Vergangenheit in der Militärakademie wird schnell mit Alkohol und Drogen ertränkt. Übrig geblieben ist nur noch die Rauheit – in seiner Stimme. Und auch die kann von regelmäßigen Alkoholexzessen kommen.
“Time tells butter fat lies | Sweet lousy cupcakes of lies | I’ll comply and I shall play along | I was born in the year of the dog | And the blue black tattoo, it crawled up my arm | Scribbled vines crawling my arm | Rose up and it cried an alarm | Sounding alarming alarms” ( Year of the dog)
“Sad Man Happy Man” nun also. Sein immerhin fünfter Longplayer seit 2000. Seitdem ist er als Singer/ Songwriter allein unterwegs, wird hier und da von einigen alten Kollegen unterstützt. Die Songs, 13 Stück an der Zahl bei gerade mal einer Gesamtlänge von ca. 33 Minuten, sind einfach gehalten. Trotz des Dichtungs-Studiums – gereimt wird hier weniger. Geschichten werden erzählt. So zum Beispiel über “Caspar the friendly ghost” oder über “Year of the dog”. Auch werden keine großartig überlegten Titeltracks genutzt. Nein, der Einfachheit halber werden einfach die Refrains dazu genutzt. So kann der Song also auch mal “Lord Lord Help Me Just to Rock Rock On ” heißen. Politisch wird es mit “How To Fuck a Republican”, in dem einfache Tipps zum Geschlechtsakt führen können.
Nobody treated him nice | While he was alive | You can’t buy no respect | Like the librarian said | But everybody respects the dead | They love the friendly ghost | And we’ll never forget | What he learned us | We were mean to him | But he never burnt us | And love lives forever | Thank you, Casper the friendly ghost | Thank you, Casper the friendly ghost” (Caspar The Friendly Ghost)
“Sad Man Happy Man” ist in ihrer Melancholie gefangen, nur wenige Stücke wie “(I Want To) Burn You (Down)” versuchen mit Melodie und Textgewissenhaftigkeit einen zum Schmunzeln zu bringen. Es ist eine Scheibe voller Raffinessen und Detailverliebtheit, wenn man erst einmal dahinter gestiegen ist. Denn auf den ersten Blick wirkt die Platte nichts weiter als einfallslos. Das Cover könnte auch eine Demo von einem Wannabe-Rocker sein und vor allem die erste Hälfte der Tracks muss immer wieder aufpassen, nicht in die Belanglosigkeit des Refrains abzudriften.
“Sad Man Happy Man” von Mike Doughty ist in seiner Heimat Amerika auf ATO Records erschienen, das Dave Matthews gehört.
(VÖ 13.11.2009 / Nois-O-Lution)
mikedoughty.com
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(Koksi)

















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