The Hirsch Effekt »Holon: Hiberno«
Wieso müssen sich eigentlich ausgerechnet Bands aus den lärmigen Postcore-Gefilden fast immer mit so einem furchtbar angestrengten Überbau distinguieren? The Hirsch-Effekt aus Hannover haben sich nach einem von der Medizinerin Rahel Hirsch entdeckten Phänomen der Durchlässigkeit des menschlichen Dünndarms benannt und ihr Debütalbum “Holon: Hiberno” betitelt.
Das Cover zeigt auch noch eine am Symbolismus geschulte Hand, in deren Mitte sich ein Dreieck befindet. Auch die Musik der drei jungen Herren leidet ziemlich am eigenen Anspruch, mit knapp einer Stunde Laufzeit ist das Debütalbum weit über der Normallänge und strapaziert auf Dauer ziemlich die Nerven. Zwischen den Songs hört man auch noch meistens massig andere Effekte und Geräusche, Gerede und andere Sachen, die die Platte wohl atmosphärisch machen sollen. Die Musik selber ist ebenso durchsetzt mit allerlei Spielereien und die Songstrukturen fasern genreüblich aus.
Holon:Hiberno hat durchaus seine starken Momente, etwa wenn mitten in einem Gitarrenausbruch plötzlich traurige Bläser zu hören sind, meistens klingt es jedoch etwas zu arg nach amerikanischen Postcore-Bands wie Fall of Troy. Irgendwie abschreckend wirken die deutschen Texte, die seltsam bedeutungslos vor sich hinfließen. Sänger und Texter Nils Wittrock singt Sätze die praktisch nicht aufhören und man wartet verzweifelt auf irgendetwas Bemerkenswertes, findet aber nur pubertäre Gymnasiastenlyrik, die dann auch noch altklug von einem ‘Wir’ sprechen.
The Hirsch-Effekt werden nichtsdestotrotz für eine Band aus Deutschland gerade ziemlich gehypet, vor allem die Internetblogs sind voll mit Lobeshymnen. Mal sehen, vielleicht sind die Hannoveraner nur die Spitze des Eisbergs und irgendwann wachsen vielleicht auch hier genießbare Postcorebands aus dem Boden. Bis dahin: Ohren zu und durch!
(VÖ 19.03.2010 / Midsummer Records)
myspace.com/thehirscheffekt
(thadeus)

















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