A Place To Bury Strangers | Review
29.11.2009 – Dresden, Beatpol.
Sonntagabend. Den Kopf voll vom Wochenende hat man sich nochmal rausgeschleppt in den kalten Dresdner Abend, um sich im Beatpol so richtig schön kopfexplosionsfördernder Musik hinzugeben. Vorsichtshalber hat man ausnahmsweise mal Ohropax mitgenommen, die sollen ja laut sein, wie man so sagt. Und das sollten sie auch werden. A Place To Bury Strangers, gesehen letzten Sonntag in Dresden.
Vorband sind Dag för Dag aus Schweden. Manch einem wohl noch in Erinnerung als Support der großartigen Shout Out Louds im Januar 2008. Doch so gut wie dieses Mal hatte ich sie dann doch nicht im Hinterkopf. Das ist womöglich so eine Band, die mit den Jahren wächst und immer besser wird. Sängerin und Gitarristin Sarah Snavely scheint gerade mit ihrer Zeitmaschine aus den späten 60ern zu uns gereist, alles an ihr glitzert, die gute alte Hippiezeit lebe hoch. Bühnenakkrobatik, laute Gitarren, ein ins Schlagzeug fallender Jacob Snavely, ein rotzig über die Bühne geworfener Drumstick – all das macht Dag för Dag enorm sympathisch. Und wie man immer so schön sagt: die können’s halt einfach, die Schweden.
Dann wird es dunkel im Beatpol. Zwei Nebelmaschinen machen das Sehen schwer. Der Rauch riecht süßlich, nach Räucherstäbchen. Irgendeiner im Publikum sagt, er würde jetzt echt gerne Sunn O))) sehen. Nunja, es wird mindestens genauso gut und genauso laut. Ein Beamer wirft schwirrende Lichter an die Wand, der Nebel macht die flackernden Lichtstrahlen gut sichtbar. Und dann geht es los. A Place To Bury Strangers betreten die Bühne, Oliver Ackermann greift zur Gitarre und da ist es auch schon: das Fiepen, das Feedbackgewitter, das worauf man so lange gewartet hat. “Ego Death” als Opener, was danach kommt, spielt eigentlich keine Rolle, es ist alles wie in Trance.
Ohropax wieder raus und die volle Dröhnung genießen. Das ist zwar nicht gut für die Gesundheit, aber gut für’s Gemüt. Es ist enorm laut, und doch so klar. Selten gibt es so einen klasse Sound auf Konzerten. Und das hätte ich nun gerade bei APTBS nicht erwartet. Die Stimme ist zu hören, weit hinten, begraben unter gefühlten Millionen Gitarrenwänden, aber doch, sie ist da. Großartig.
Und dann: die Strobos. Sind sie einmal an, bleiben sie auch an. Ewiger Blitzwahnsinn. Die Menschen sind nur noch Schatten, roboterartige Bewegungen inmitten grenzenloser Helligkeit. Auf der Bühne passieren Dinge, die unvergessen sein werden. Oliver Ackermann wirbelt über die Bühne, die Gitarre wirbelt mit, geht zu Boden, die Saiten reißen, egal, weiter geht’s. Bassist Jono Mofo steht oberlässig da und jagt den Bass durch zigtausende Verstärker und Verzerrer, dass es in den Ohren wehtut und im Kopf gut tut. Mit den gerissenen Saiten wird am Boden liegend auf die verbliebenen Saiten eingedroschen, es klirrt und fiept und schmerzt überall. Offenen Münder, weit aufgerissene Augen, Stroboskop geschwängerte Luft. Der Nebel wird immer dichter und dann plötzlich ist die Gitarre still.
Oliver Ackermann steht am Bühnenrand und schaut sich um, beobachtet uns, die wir nicht mehr können, geblendet vom hellen Licht. Dann geht er, nimmt sein Mikrofon, stellt es vor den Gitarrenverstärker. Blicke im Publikum, gleich wirds richtig laut. Und immer wenn du denkst, es geht nicht mehr, setzt er noch eins drauf. Es knallt, als er in die Saiten schlägt. Doppelte Lautstärke, doppelter Wahnsinn.
Es endet so wie es angefangen hat: im Feedbackwald. Nur lauter und heller. Als sie die Bühne verlassen, ist klar, dass es keine Zugabe geben kann. Was will man nach so einer Show auch noch spielen. Es wird ruhig, in den Ohren klingelt es, Kommunikation ist unmöglich. Vorerst. Nachdem man so langsam wieder zu sich gekommen ist, kann man getrost sagen, dass das gerade Gesehene wohl zu den besten Konzerten der letzten Zeit gehören muss. Zufrieden, wenn auch leicht taub, geht man in die Nacht. Großartig.
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(moneybernd)

















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