Adam Green | Review
18.02.2010 – Uebel & Gefaehrlich, Hamburg
Dafür, dass der große Hype um Adam Green vor 6 Jahren bereits seinen Zenit erreicht hatte, war das Publikum bei seinem Konzert in der Hansestadt zu weiten Teilen erstaunlich jung. Viele aufgeregte Teenager tummelten sich an diesem Donnerstagabend vor der Bühne des Hamburger Bunkerclubs, während sich weiter hinten die älteren Semester aufhielten.Hatte der New Yorker 2008 noch in der etwas größeren Großen Freiheit 36 gespielt (und danach eine legendäre Aftershow-Party bei Burger King gefeiert), füllte er nun das etwas kleinere Uebel & Gefaehrlich.
Ordentlich voll wurde es dann doch noch, trotz ziemlicher Wucherpreise von 30 Euro pro Ticket.
Nachdem die notorisch gut gelaunten Jukebox the Ghost den Abend mit poppig-verspielten Indie-Dancefloor Krachern a lá Vampire Weekend angemessen eröffneten, torkelte schließlich der vom ganzen Saal spürbar mit Spannung erwartete Adam Green auf die Bühne und wurde sofort frenetisch gefeiert. Und schon beim ersten Lied machte er klar, worum es ihm bei seinen Auftritten vor allem geht: Spaß und Exzess. Und ganz viel Liebe für sein Publikum.
Bereits kurz nach den ersten Takten stürmte er in die kreischende Teenager-Horde, küsste verzückte Fans und hampelte fast schon epileptisch zwischen Band, Bühne und Publikum umher.
Für eingefleischte Fans war der Abend sicherlich das Größte, gefühlte Dutzend Male warf sich der New Yorker schließlich ins Publikum. Auch ansonsten schien es vor allem darum zu gehen, dass da DER Adam Green auf der Bühne steht: der süße Antifolker, der Held aller Indiemädchen, der Typ, der im Fernsehen mit Flaschen wirft und gelegentlich Nacktfotos von sich ins Netz stellt. Er selber genoß den Trubel sichtlich und ließ alle an seiner Euphorie teil haben. Ob er wirklich so betrunken war, weiß man nicht, jedenfalls erfüllte er bis ins letzte Detail alle Erwartungen an einen zünftigen Rockstar. Das Sympathische an Green ist ja eigentlich, dass er dieses Gehabe mit einer ziemlich unerschütterlichen Albernheit perfektioniert.
Trotzdem blieb bei all dem feuchtfröhlichen Beisammensein eines auf der Strecke: Seine Musik. Denn Adam Green hat mit “Minor Love” ein wunderschönes Album mit 14 genial eingängigen Songs von tiefer Melancholie und einer unprätentiösen Lässigkeit abgeliefert. Schade nur, dass er diese Songs mit seiner Hipsterband fast ausschließlich zu banalen Rocknummern verstümmelt.
Außerdem war der Sound ziemlich übel, ein Rockkonzert sollte laut sein, sogar sehr laut, wenn aber alles in einem Rauschen verschwindet sollte man schon auf ein bisschen Understatement setzen. Aber das war offensichtlich nicht das Konzept. Nachdem er in der ersten Dreiviertelstunde die Leute mit massenhaft Rock’n'Roll zerschoss, trat er danach nur mit seiner Akustikgitarre bewaffnet auf die Bühne und spielte seine ruhigeren Songs mit der gleichen verschneuzten Attitüde, um schon bald wieder die Band auf die Bühne zu holen und die feucht-fröhliche Feierei ging weiter. Als Finale schnappte er sich noch eines der Groupies aus der ersten Reihe und trug die Glückliche hinter die Bühne, zur Freude scheinbar aller Zuschauer.
Wie sagte schon Liam Gallagher: Die Menschen brauchen das Gefühl, dass es da draußen Leute gibt, die Whisky aus Cowboystiefeln trinken. Schade nur, dass es bei Adam Green nur auf Kosten seiner ziemlich schönen Musik geht.
adamgreen.net
myspace.com/adamgreen1
(thadeus)

















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