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Chris Garneau | Review

Chris Garneau26.10.2008 – nbi, Berlin
Chris Garneau hat mir vor einigen Jahren mal ein (wirklich sehr) gestörter Exfreund (aber mit einem schönen Körper…) empfohlen (und mit gutem Musikgeschmack, versteht sich). “Ein(en) immer traurige(n) New Yorker Franzose(n)”, nannte er ihn. Die Pressemitteilung nennt ihn: “Brooklynese”, der an Sufjan Stevens und Rufus Wainwright erinnert.

Ich nenne ihn den schönsten Mann der Welt (kurz nach Erlend, natürlich) und seine Musik: auf erschreckende Art und Weise wundervoll zutiefst melancholisch.

Nichts, aber auch wirklich nichts, nicht der beste Tatort der Welt oder Karl Marx bei Anne Will, hätten dich davon abhalten sollen, diesen Sonntag Abend mit Chris Garneau und seinem Klavier zu verbringen.

Die Namen und Merkmale der “Vorbands” habe ich inzwischen lange vergessen; der, der direkt vor Chris gespielt hat, ich erinnere mich dunkel, war wohl nicht wirklich schlecht – im Gegensatz zu dem davor, der war wirklich schlecht. Doch insgesamt begann mich die Warterei auf den Helden meiner Jugend zu nerven. Als er sich dann zeigte, mochte ich ihn zwar sofort, musste mir aber doch so einige Sprüche zu seiner geringen Körpergröße verkneifen. Diese lieferte mir aber auch die einzig logische Erklärung, warum dieses Konzert so billig für Besucher war: 8 Euro. Chris Garneau ist so klein, dass er sich als Handgepäck aufgeben kann. Sein Klavier wird dann auf normales Gepäck und Personenplatz veteilt, sodass er tatsächlich mit jeder Billigfluglinie über den großen Teich nach Berlin reisen konnte.

Er setzte sich, begann zu singen und Klavier zu spielen – ich ärgerte mich, dass ich nicht genug Taschentücher dabei hatte und um mich herum ganz dicht ganz fremde Menschen saßen. Die meisten Allein-in-der-Ecke-sitzen-und-weinen-Klassiker von Music for Tourists gab er in vollends ergreifender Art und Weise wieder. Obgleich er zwischen den Songs versuchte, durch flapsige Bemerkungen und Gin- Konsum das Erdrückende von uns und sich zu nehmen, war es im Grunde eines der traurigsten Konzerte, auf denen ich je war. Aber irgendwie nicht so traurig traurig, sondern so traurig, dass man auf dem Nachhauseweg grinst und nicht weint.

Ein wunderschöner und wirklich sehr begabter Mann und Musiker, dieser Chris Garneau. Dass es nicht auf die Größe ankommt, hat sich ja inzwischen bei den meisten herumgesprochen. Wer es immer noch nicht glaubt, sollte sich dringend mal mit dem “immer traurige(n) New Yorker Franzose(n)” verabreden.


www.myspace.com/chrisgarneau
www.chrisgarneau.com


(molllastig)

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