» Kabelblume » Dear Reader | Review Dear Reader | Review » Von moneybernd » Band, Dresden, Und, Leipzig, Cherilyn, Dear, Reader, Songs, Das, Falls, Scheune, Bühne, Lächeln, Man, Die, Bis, Menschen, Mikrofon, Release, Sympathie » » Kabelblume

Dear Reader | Review

30.09.09 – Dresden, Scheune.

03.10.09 – Leipzig, Schaubühne Lindenfels.

Eigentlich waren sie bereits für den Februar angekündigt, da aber terminlich verhindert, haben sie es jetzt also im Herbst nach Dresden geschafft: Dear Reader. Und die waren so bezaubernd, dass ich gar nicht anders konnte, als drei Tage später nochmal nach Leipzig zu fahren, um sie ein zweites Mal zu sehen. Aber eins nach dem andern.

Mittwoch, kurz nach neun in Dresden. Draußen ist es schon ziemlich kalt, Fahrradfahren ist mit Handschuhen wesentlich angenehmer als ohne. Drinnen in der Scheune ist es hübsch warm. Ramona Falls stehen schon auf der Bühne und hey: das ist doch Dear Reader! Im Prinzip ja, einzig allein die Aufstellung ist ein klein wenig verändert. Nicht Cherilyn MacNeil steht in der Mitte am Piano, sondern Brent Knopf. Früher bei Menomena, heute als Ramona Falls unterwegs. Und seine Musik könnte so etwas wie der männliche Gegenpart zu Dear Reader sein. Wunderschöne Songs, begleitet von vielen Ba-da-ba’s und Chören, nur halt mit Brents statt Cherilyns Stimme. Melancholie oder auch Polkaähnliche Songs. Klingt komisch, ist aber ganz und gar zauberhaft.

“Bis gleich” sagt Cherilyn nach 45 Minuten und lächelt mit dem schönsten Lächeln der Welt ins Mikrofon. Zwanzig Minuten später sind exakt die selben Menschen wieder auf der Bühne. “This time…we’re Dear Reader” erfahren wir und los geht es. “Never Goes” als Opener und schon ist die Gänsehaut da. Diese Wärme, diese Sympathie, die diese Band ausstrahlt, ist seit langem unerreicht. “I’m alone, i’m alone” singt sie da und dabei stimmt das doch überhaupt gar nicht. Das zahlreich erschienene Publikum lauscht andächtig, ein paar tanzen sogar, die Band freut’s. Man traut sich kaum zu klatschen, alles ist so ruhig und man träumt noch den letzten Takten hinterher. Cherilyn schaut grinsend auf und da ist der Applaus, sie lacht und alles lacht mit, ein leises “Dankeschön” und weiter gehts.

Die gute Laune der Band steckt an. Bei “Dearheart” wird mitgesungen, bei “Release Me” könnte man ein Haar zu Boden fallen. Und wenn ich mich nicht irre, habe ich Tränen in einigen Augen gesehen. Das Lächeln der Band, das erleichterte Ausatmen von Cherilyn nach “Release Me”, die wahnwitzige Mimik von Brent Knopf, der sein Mikrofon geradezu zu beschwören scheint, all das macht diese Band so unglaublich sympathisch und liebenswert.

Kurz vor Schluss dann “Great White Bear”, das schönste Lied auf dem Album. Und das ist live noch achttausendmal schöner. Cherilyn erzählt die Geschichte zu dem Song, und wenn sich nicht spätestens jetzt alle in die Band verliebt haben, dann weiß ich auch nicht: Eisbären sind im Infrarotlicht ja unsichtbar, man sieht nur den Atem. Deswegen wären sie ein guter Platz zum Verstecken, wenn man nicht gefunden werden will. Oder wenn man Scheiße gebaut hat. Deswegen heißt es im Lied auch: “He climbed into the belly of the great white bear. It’s very sticky and it smells a little fishy. But no one will look for him there.” Zu schön, zu schön…

Eine Zugabe gibt es noch, ein Winken, ein Lächeln und dann geht das Licht an. Selten so ein schönes (und ich meine in jeglicher Hinsicht schönes) Konzert gesehen, selten hat eine Band so gute Laune ausgestrahlt und auch wirklich jeden angesteckt.
Und ich bilde mir ein, ein paar Leute dann ein paar Tage später in Leipzig wiedererkannt zu haben. Anscheinend war ich nicht der Einzige, der das unbedingt nochmal erleben musste. Auch in Leipzig ist Ramona Falls “Vorband”, auch in Leipzig ist die Band ungemein sympathisch, wenn auch geschaffter als noch in Dresden. Müde wirken sie die erste Zeit, doch das legt sich. Auch das Publikum ist hier eher müde und starr. Es soll ja allgemein dieses Gerücht geben, dass die Leipziger eher etwas kühle und rumsteherische Konzertgänger sind. Und naja, im Vergleich zu Dresden stimmt das schon. Es gibt keine tanzenden und freudetaumelnden Menschen, man steht da und lauscht. Oder sitzt auf roten Sesseln oder auf dem Boden. Allgemein wird viel gesessen in Leipzig.

Dafür ist die Location um einiges schöner als die Dresdner Scheune. Das Konzert findet in der Schaubühne Lindenfels statt, eine Theaterbühne mit riesig hoher Decke, ja quasi einem Saal gleich. Die Wand hinter der Bühne wird farbig abwechselnd angestrahlt und verleiht dem Ganzen eine noch schönere Atmosphäre.

Viel anders als in Dresden ist es nicht (und das macht auch überhaupt gar nichts), das Highlight istl, wie Sängerin Cherilyn den besonderen Tag erklärte, den “deutschen Einheitstag” und wie toll sie es fände, dass soviele (und es waren wirklich viele, mehr als in Dresden) an diesem “special day” gekommen wären. Man applaudiert, die Band freut sich, wie eigentlich die ganze Zeit.

Diesmal ist “Great White Bear” die Zugabe, auch hier geht ein “ooar” durch den Raum, als die Geschichte erzählt wird. Und jetzt ist auch Leipzig komplett hin und weg und der Band aus Südafrika, die da oben ihre kleinen, feinen wunderhübschen Songs spielt. Und dabei so gut aussieht und lustig ist und scherzt und lacht und einfach nur die Sympathie in Person ist.

“Bis bald” sagen sie, in Dresden und auch in Leipzig. Wollen wirs hoffen. Bitte bis ganz bald.

dearreadermusic.com
myspace.com/dearreadermusic


(moneybernd)

  • Keine(r)
  • Kommentar verfassen