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Ef | Review

07.05.2010 – Dresden, Beatpol.

Es sind diese Momente, in denen man sich nirgendwo anders hin wünscht. Es sind Momente, in denen einfach alles perfekt ist. Die gibt es äußerst selten, gewiss. Und doch gibt es sie. Und ich glaube, nein, ich weiß, in dieser Freitag Nacht, kurz nach Mitternacht ist genau so ein Moment da.Auf der Bühne stehen Ef und spielen gerade “Longing For Colors”, nirgendwo ist es besser als hier. Selten war Perfektion schöner, geradezu beängstigend gut ist das, was da gerade passiert.

 

Doch beginnen wir von vorn. Drehen wir die Uhr zwei Stunden zurück. Als wir den Beatpol betreten und es noch nicht um zehn ist, sind wir überrascht, dass Leech schon auf der Bühne stehen. Allein der Fakt, dass überhaupt Leech als erstes spielen, überrascht. Siva. wäre für den Anfang doch passender gewesen. Nun also Leech. Die Schweizer (und ich möchte behaupten: eine der wenigen guten Schweizer Bands, neben The Evpatoria Report vielleicht noch) waren zuletzt Support für God Is An Astronaut und haben damals schon bewiesen, dass sie den Großen der Szene in nichts nachstehen. Instrumentalausbrüche a la Long Distance Calling erleben wir, Gitarrenwände, Feedbacks, alles, was dazugehört also. Das Publikum ist wie zu erwarten begeistert, zumindest diejenigen, die nicht am Rand sitzen und sich unterhalten. Das tun komischerweise eine ganze Menge Leute während Leech spielen, was mir persönlich unbegreiflich ist.

 

Als dann Siva. die Bühne betreten, ist es plötzlich sehr eng in den ersten Reihen. Es scheint, als gäbe es tatsächlich Menschen, die dieses Konzert nur wegen Siva. besuchen. Das verwundert, sind Siva. doch eindeutig die schwächsten an diesem Abend. Nicht dass die Musik schlecht wäre, im Gegenteil. Aber im Vergleich zu Leech und vor allem Ef später ist das, was Siva. da bieten durchschnittlicher kraftloser Indiepop. Weswegen ich auch weiterhin die These vertrete, dass Siva. zuerst hätten spielen sollen. Damit stehe ich wahrscheinlich ziemlich allein, denn die Menge singt mit und tanzt und freut sich. Nungut, soll es so sein.

 

Dann kommen sie endlich, die Schweden von Ef. Und mir sei die kleine Randbemerkung gestattet: ja, mein Gott, sie sehen so was von klischee-schwedisch aus, das es beinahe weh tut. Und sie machen mit die schönste Musik der Welt, das müssen einfach Schweden sein. Und wie ich eingangs schon erwähnt habe: perfekter geht es eigentlich nicht. “Sons of Ghosts” als erstes und schon ist man verloren, Lächeln geht in Weinen, Gänsehaut in wohliges Wärmegefühl über. Es ist eine Achterbahnfahrt, es geht weiter nach oben, immer höher, höher. Unglaublich, schon nach einem Song ist man komplett hin und weg. Das passiert selten.

 

Man bemerkt nicht, wie die Zeit vergeht. Die Lieder hören scheinbar nie auf, es ist ein unglaubliches Klangerlebnis, selten unterbrochen durch wunderschönen Gesang. Selbst die Stimme von Rebecka Maria Wåhlgren von Lampshade bei “Longing For Colors” wird täuschend echt umgesetzt, ihr Fehlen fällt kaum auf. “In a house, silent by night, I can still hear you”. Und ja, verdammt, wir hören sie, den Rest der Nacht durchweg. Schlafen kann nicht alles sein.

 

Euphorie dem Wahnsinn gleich, Musik, die Leben verändern kann. Ef machen alles richtig, aber auch wirklich alles. Nirgends ist es besser, als in diesem Moment da vor der Bühne zu stehen. Nirgends. Es ist ein betäubendes Gefühl, als wir kurz nach um eins durch die Nacht laufen. Und es steht fest: das gerade gesehene gehört definitiv zu den besten Konzerten des Jahres 2010.

 

myspace.com/ef

 

beatpol.de


(moneybernd)

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