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Fanfarlo | Review

24.01.2010 - Köln, Studio 672
Die bunten, leicht zerfetzten Wimpeln, die über die Bühne gehängt wurden, schwingen leicht mit dem Belüftungswind des Studio 672. Es ist eng und voll. Viele Besucher müssen draußen warten, da der kleine Vorraum gar nicht so schnell die Gäste und Jacken abarbeiten kann. Doch letztlich findet jeder einen Platz. Die Vorfreude steigt.

Für viele überraschend beginnt der Support-Act Jeannel bereits um halb 9. Wie angekündigt, aber nicht wahrgenommen. Nicht einfach für die junge Dame, sich für das weitestgehend desinteressierte Publikum zu begeistern. Ihre braunen Rehaugen erwecken Vertrauenswürdigkeit. In ihren elektronischen Popsongs schwingt immer etwas die Melancholie mit. Auch wenn Bass und Synthies oft überwiegen und der Gesang dabei untergeht, mag man zumindest erahnen, dass die junge Dame schon eine halbe Ewigkeit musikalisch unterwegs ist. Und bei kleiner Recherche wird auch schnell klar, dass das ComeTogether ihre musikalische Heimat bildet. Sie mag sich einmal zu viel an Miss Kittin und anderen Vorbildern orientiert haben, jedoch ist dort noch einiges zu holen.

Fanfarlo hingegen bieten einen Eindruck, der eher selten ist. Während sie mit ihren Schnurrbärten locker in jede Zigeunerfamilie hineinpassen, kommen sie klamottentechnisch aber im Stil der sommerlichen 20er Jahre des vergangenen Jahrhunderts daher. Hosenträger, weiße Leinenhemden und Hochwasserhosen verkomplettieren den Eindruck völliger Losgelassenheit von musikalischen Trends. Und ja, Beirut ist diejenige Band, die immer wieder als Referenz von Kritikern benutzt wird. Doch eine Trompete und eine Geige macht noch keinen Abklatsch.

Fanfarlo haben ihren eigenen Stil. Es ist Folk-Pop. Die nicht perfekte, teils sogar weinerliche Stimme des Sängers Simon Balthazar schmiegt sich perfektionisch in das Bett aus eben diesen Trompeten und Geigen und Gitarren ein. Von Solo-akkustik bis hin zum mehrfach intonierten Chor findet sich dort alles auf der Bühne. Es herrscht ein gewisses Straßenfest-Feeling. The Wave Pictures und Arcade Fire kommen mir in den Sinn. Ob groß, ob klein, es erscheint als Familie. Und sie verbringen viel Zeit miteinander, um das zu tun, was sie über alles lieben und was sie miteinander verbindet. Die großartige Musik.

Ob “Ghosts” oder “The Walls Are Coming Down”, “I’m A Pilot” oder “Finish Line” - sie alle bescheren dem Publikum ein Lächeln in ihre Gesichter, die sie so schnell nicht loswerden. Dass “Reservoir” ein fesselndes Stück Musik ist, wird hier von diesen fünf jungen Männern und Frauen noch einmal deutlich gemacht.

Der kleine ‘Shop’ wird anschließend gestürmt. Jeder möchte noch etwas als Andenken haben. Verständlich. Fanfarlo sind eine der süßesten, neuen Bands, die es bereits seit Jahren gibt.


fanfarlo.com
myspace.com/fanfarlo


(Koksi)

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