» Kabelblume » Get Well Soon | Review Get Well Soon | Review » Von moneybernd » Get, Well, We, Soon, Are, Band, Bühne, Und, Beatpol, Das, Konstantin, Die, The, Christmas, In, Mädchen, For, Gropper, Musik, My » » Kabelblume

Get Well Soon | Review

25.02.2010 – Dresden, Beatpol.
Knapp zwanzig Leute haben gefehlt, dann wäre es ausverkauft gewesen. Dicht an dicht stehen die Menschen in freudiger Erwartung im Beatpol. Es ist das wohl gemischteste Publikum anwesend, das man sich vorstellen kann. Vom sechzehnjährigen Indiemädchen bis zum graumelierten Spiegel-Online-Leser-Ehepaar ist wirklich alles dabei. Generationsübergreifende Musik ist es also, was die Herren Get Well Soon da produzieren. Das hätte sich Konstantin Gropper vor drei Jahren vermutlich noch nicht gedacht, dass seine Musik heute quer durch alle Altersschichten solch große Zustimmung findet.

Die Vorband beginnt kurz nach 21 Uhr. Stars For The Banned aus Wien. Sie spielen schönen, aber doch irgendwie belanglosen Indie-Electro-Pop. Das breite Interesse wecken sie damit nicht, selbst in den vorderen Reihen wird immer mal wieder drauflos geschwatzt. Dabei ist ihre Musik nicht schlecht, ja sogar ziemlich passend als Opener für Get Well Soon. Nur klingt leider vieles gleich, was sie da zusammenschwurbeln. Und die Keyboarderin will mit ihrem taktlosem Gehüpfe auch nicht ganz in die Szenerie passen. Jedoch: sie freuen sich, da zu sein. Und vor so vielen Leuten zu spielen. Immerhin.

Eine gute halbe Stunde später verlassen sie die Bühne und sogleich geht ein Gedränge nach vorn los. Der Angstabstand vor der Bühne ist im Nu verschwunden. Als die Lichter ausgehen, wird es nach kurzem Jubel ganz still. Auf der Leinwand ein kleines Mädchen, das durch den Wald geht. Eine Stimme, dann steht in großen Buchstaben “Get Well Soon – Vexations 2010″. Ein paar Gestalten huschen durchs Dunkel, greifen sich die Instrumente und mit “Senecas Silence” beginnt die Show von Get Well Soon.

Die Visualisierungen und Videos im Hintergrund (die sich nahezu alle mit dem Thema “Wald” beschäftigen) untermalen das Ereignis perfekt. Zum ersten Mal mit Videos im Hintergrund, die letzten Jahre sind sie immer “nur” als Band aufgetreten. Jetzt ist es fast unmöglich die Augen zu schließen, so schön und passend ist das, was da hinter der Band abläuft. Immer wieder erzählt eine Frauenstimme Geschichten von dem kleinen Mädchen aus dem Video. Bei “We are Ghosts” dann ist die Band selbst Hauptact des Films. Sechstimmig singen sie da in schwarzweiß, eng aneinander geklammert. Es sind schon irgendwie Geister. Gute Geister. Die eine traurigschöne Stimmung erzeugen. (Ach, und nebenbei aufgefallen: die Textzeile “Are we human or are we dynamite” erinnert doch schon sehr an eine “Band”, dessen Namen ich hier lieber nicht nennen möchte.)

Bei “Tick Tack! Goes my automatic heart” möchte man am liebsten weinen, so schön ist es. “And to the beating of my automatic heart you sing a song of life.” Wer im Sommer 2008 mal durch Berlin gelaufen ist, wird die vielen selbstgebastelten Sticker mit ebendiesem Aufdruck gesehen haben. Ein Wahnsinnssatz aus einem der wohl besten Lieder der Welt. Der Beatpol weiß das auch und singt mit. Gefühlte tausend Menschen, Konstantin Gropper dirigiert, und wir singen.

Aber auch das schönste Konzert geht mal vorbei, das ist nunmal leider so und so verlassen die sechs nach guten 80 Minuten mit “We Are Roman Empire” und einem traurigen Video inklusive Abspann die Bühne. Das letzte, was über die Leinwand flimmert, ist ein Mädchen, im Auto sitzend, aus dem Fenster starrend. Und wenn ich mich nicht täusche, hat sie geweint, als das Lied vorbei war, nur ein wenig, aber doch sichtbar. Applaus erklingt erst nach Momenten der Stille, wenn man nicht schon stehen würde, wäre das der Moment für Standing Ovations. Mit “Christmas In Adventure Parks”, “If This Hat Is Missing I’ve Gone Hunting” und dem großartigen (fast schon traditionellen) Abschluss “I Sold My Hands For Food So Please Feed Me” gibt es noch drei Zugaben vom ersten Album, die von vielen schon sehnsüchtig erwartet wurden.

Und als ganz zum Schluss, kurz bevor die Lichter angehen, Konstantin Gropper alleine nochmal auf die Bühne kommt und “Teenage FBI” singt, ist wohl auch der letzte überzeugt, dass das, was da gerade geboten wurde zu den besten Konzerten unserer Zeit gehören muss. Wie las ich in einem Forum: “Zum Niederknien”. Ganz recht, ganz recht. Großes Ereignis, und das beste Get Well Soon Konzert, das ich (bis jetzt) erleben durfte.

Setlist:

  1. Senecas Silence
  2. People Magazine Front Cover
  3. We Are Free
  4. 5 Steps / 7 Words
  5. A Voice In The Louvre
  6. Listen! Those Lost At Sea Sing A Song On Christmas Day
  7. Werner Herzog Get Shot
  8. That Love
  9. Aureate!
  10. We Are Ghosts
  11. A Burial At Sea
  12. Tick Tack! Goes My Automatic Heart
  13. Angry Young Man
  14. We Are The Roman Empire
  15.  

  16. Christmas In Adventure Parks
  17. If This Hat Is Missing I’ve Gone Hunting
  18. I Sold My Hands For Food So Please Feed Me
  19.  

  20. Teenage FBI

  21. youwillgetwellsoon.com
    myspace.com/youwillgetwellsoon

    beatpol.de


    (moneybernd)

  • Keine(r)
  • Kommentar verfassen