Girls | Review
08.03.2010 – Hamburg, Molotow
Ein Hype ist für eine Band wohl auch eine Bürde: Die Tour scheint unendlich, die Erwartungen sind riesig und man hat ständig nur mit dieser Sorte Hipster zu tun, die auf Konzerten herumstehen und Zigaretten rauchen. So wirkte es an diesem Montagabend im Molotow ein bisschen so, als sei der große Trubel um Girls am versiegen. Hatten sie mit ihrem Auftritt im September letzten Jahres beim Reeperbahnfestival in Hamburg noch so einige Menschen, die überhaupt nicht mit so etwas gerechnet hatten, begeistert und verzaubert, war die Stimmung an diesem Montagabend im kalten März etwas verschlafen.
Kein Wunder, nach dem die Band aus San Francisco durch alle einschlägigen Hype-Organe des Internets und der Musikpresse getrieben wurde und ihr 2-Minuten Überhit “Lust for Life” wie erwartet voll eingeschlagen war. Müde und mit fettigen Haaren schleppte sich Sänger und Gitarrist Chet “JR” White auf die Bühne und erfüllte so nicht gerade seinen Ruf als San Francisco’s größter Frauenheld. Der Bassist und Kopf der Band, die eigentlich ein Duo ist und nur live zum Quintett anwächst, Christopher Owens war einen Tick besser gelaunt. Der neue Leadgitarrist schaffte, was die Körpergröße angeht, gerade so die Einmetermarke und am Keyboard hängt neuerdings ein unnauffälliger Lockenkopf herum.
Die ersten zwanzig Minuten sind dann erstmal ein Paradebeispiel dafür, was bei einem Clubkonzert alles schiefgehen kann. Der erste Song verläuft im Sande, weil die Monitorboxen streiken und auch danach ist der Sound schlecht ausgesteuert, der Gesang praktisch nicht zu hören. Das steigert nicht gerade die Laune der Band und auch im Publikum ist man eher zurückhaltend.
Leider kamen deswegen so wunderschöne Lieder wie “Ghost Mouth” oder eben “Lust for Life” nur sehr verwaschen an und erst kurz vor dem Ende der Setlist schien sich die Band warm gespielt zu haben und sogar der Sound wurde besser. Bei dem siebenminütigen drückenden Schwermutsepos “Hellhole Ratface” schließlich sprang der Funke dann doch noch über und es wurde einem klar, wieso man “Album” so geliebt hat. Girls bauten nach dem Song erstmal eine durchgefuzzte “Wall of Sound”, bevor sie das Publikum noch mit ein paar ziemlich gelungenen Zugaben beglückten.
Als zum Schluß noch einmal der ursprüngliche Opener “Laura” angestimmt wurde, merkte man eindeutig, wie schön der Abend hätte werden können, aber letztendlich war das nur eine kleine Entschädigung für eine ziemlich üble erste halbe Stunde. Vielleicht, hoffentlich!, läuft nächstes Mal alles wieder besser.
myspace.com/girlssanfran
(thadeus)

















Kommentar verfassen