GrIStuF | Review
//13.-22.06.08 | Greifswald
GrIStuf ist die Abkürzung für das Greifswald International Students Festival und auch der Name des ehrenamtlichen Vereins, der als Veranstalter dieses Events ein Zeichen globalen Austausches setzt. Ein International Students Festival erkennt man an der Vielzahl der Nationen, die zusammentreffen, um ihr Land, ihre Kultur, ihre Statements vorzustellen und mit anderen Studenten in Dialog zu treten. Derartige Festivals haben weniger etwas mit den uns allzu gut bekannte Musik- Rock- Pop- Whatever- Festivals zu tun. Das Motto des diejährigen GrIStuF war “Mind a Change?”, nicht zu verwechseln mit “Change a Mind”, denn es sollten Themen, wie Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft in den verschiedenen Workshops Impulse zum Nachdenken setzen und keine Antworten vorgeben. Internationale Stundentenfestivals, wie dieses in Greifswald, sind Events zur Förderung eines aktiven, weltweiten Dialogs. Klar darf auch gefeiert werden, doch dafür sind die insgesamt (irgendwas bei) 160 Teilnehmer aus 45 Ländern nicht (nur) angereist. Die politische Motiviation war unverkennbar. Ein Gespräch zwischen Participants verlief ungefährt so: Wie geht’s dir? Wo kommst du her? Ah, da ist doch das und das los, wie empfindest du das und wie denkst du darüber? (Es war erstaunlich, wie gut sich die meisten der Teilnehmer mit internationaler Politik auskennen!) Wie lang war deine Anreise? Wie sind deine Hosts? Was machst du heute Abend?
Mit Hosts sind die Leute gemeint, die ihre Wohnzimmercouch hergaben, um quasi als Gastgeber einen Teilnehmer zu beherbergen. Ein spannendes Erlebnis für Gast und Gastgeber. Jeder gewinnt einen Einblick in die Alltäglichkeiten des Anderen und kann nebenher noch seine Englisch-Skills verbessern, denn Englisch war die Arbeitssprache während der letzten Woche. In meiner WG lebten eine Mexikanerin und ein Russe, die wahrlich nicht nur auf ihre Nationalgetränke, Tequila und Wodka, zu reduzieren waren. Es war interessant, die mexikanische Lebensfreude und die kühle Ruhe Russlands hautnah in seinem eigenen typischen deutsch-studentischen Haushalt zu haben. Der ganze Alltag während der letzten Woche war von Internationalität geprägt. Wann geht man denn sonst mit Nigerianern Fussball gucken, mit einem Türken Shisha (mit echten türkischen Tabak!) rauchen, macht Schnappschüsse mit Bosniern, stößt dabei gleichzeitig mit einem Typen aus Madagaskar an und bringt einem Philippino deutsche Schimpfwörter bei oder lauscht der Diskussion eines Israeli und Palästinensers?!
Doch step by step. Die Woche fing mit einer grandiosen Wellcome Party an. Live in Stage: Bodi Bill. Gefeiert, getanzt, sich kennen gelernt wurde bis in die frühen Morgenstunden. Die Anfangseuphorie war groß, im Gegensatz zu den Augen am nächsten Tag bei der Schnipseljagd durch Greifswald. Multikulti Teams erkundeten die Innenstadt und die Greifswalder Ureinwohner staunten nicht schlecht, bei der Vielzahl an Sprachen, Hautfarben und Typen, die plötzlich überall kleine Spiele möglichst erfolgreich bestreiten mussten, um zum nächsten Ort zu kommen – Schnipseljagd eben. Anschließend wurde gebruncht.
Im Theater zu Greifswald stellte sich am gleichen abend bei der offiziellen Eröffnung das GrIStuF-Team und Schirmherr Jakob von Uexküll (letzterer via Videobotschaft) vor. Nach diesem seriösen Part gab es Sekt und Essen für alle. Musikalische, jazzig-funky Unterhaltung lieferte die Band “…Und Hans”, eigentlich aber doch eher die Afrikaner, die sich die Instrumente der Band liehen und eine Session jamten, wie wir spießigen Europäer es niemals könnten.
Oh, jetzt erwische ich mich dabei, die Abendevents in den Mittelpunkt zu stellen. Es geht natürlich nicht nur um Party-ing bei einem internationalen Studentenfestivals, doch bei entspannter Atmosphäre plaudert es sich eben leichter. Logisch.
Viel Gesprächsstoff lieferte das Treffen der Kontinente, bei dem jeder Teilnehmer eine landestypische Performance aufführen konnte. Tanzend und singend wurden die Landesfahnen geschwengt und repräsentiert, doch das verlief später eher “global-kollektiv”. So hielt ein Ghanaer die Flagge Mexikos bei der mexikanischen Performance und forderte zum Tanzen auf. Na warum auch nicht?! Wir sind doch schließlich alle in erster Linie Menschen, die eine bessere Welt wollen. Dieser “Weltfrieden”-Gedanke schwingte immer ein bisschen mit während der ganzen Woche – man könnte das als hippie-esk und völlig naiv bezeichnen oder es unausgesprochen lassen und die friedliche Gemeinschaftlichkeit produktiv nutzen, wie es letztlich auch getan wurde.
Am nächsten Abend ging es dann zum Running Dinner, was so viel bedeutet wie, sich, als Team, mit, pro Speise, jeweils zwei weiteren Teams durch drei Gänge futtern, und einen durch Zufall ermittelten Gang als Gastgeber schmeißen. Eine super Sache, denn man bekommt gutes Essen und lernt dabei viele Menschen kennen und mit Leuten aus anderen Ländern konnte man sich dann auch prima über die Dos and Don’ts der jeweiligen Esskultur austauschen.
Durch viele andere Events, wie der Kulturmeile, bei der diverse Bars und Cafes in Greifswald Konzerte, Lesungen, Vorträge oder einen Poetry Slam veranstalteten, der Präsentation der Workshops und einem finalen Meet & Greet im hübschen Uniinnenhof, verging die Zeit wie im Flug und plötzlich war es Samstag – der letzte Abend des Festivals, Sommeranfang, kürzeste Nacht des Jahres und Fête de la Musique am Strandbad Eldena. Ein Event für Groß und Klein, denn neben der (obligatorischen) musikalischen Unterhaltung durch die Bands Ziganka, …Und Hans, Roger Anklam, Kontainer, Dikanda und dunkelbunt, wurde das Programm durch einen Sportsday und ein Kinderfest abgerundet. Den ganzen Tag bis spät in die Nacht wurde sich entspannt und mit Ostseesand zwischen den Zehen amüsiert. Ein wirklich gelungener Abschluss eines runden Festivals.
(bea)
















































































Kommentar verfassen