Hjaltalín | Review
05.10.2009 – Köln, Stadtgarten
Island ist in der Krise, heißt es. Betrachtet man den Musikmarkt Islands, bietet sich ein ganz anderes Bild. Denn da scheint das blühende Leben vorzuherrschen. Nicht zuletzt wegen jungen, frischen Bands wie Hjaltalín, die gar nicht allzu lang die Herzen in ganz Europa auftauen lassen.
Das sympathische Septett aus eben dem blühenden Island ist zum dritten Mal in Köln. Die vorigen Male sind den Damen und Herren noch gut in Erinnerung, doch freuen sie sich auch auf den erneuten Gig. 50 Besucher, das ist ihr Ziel für den Abend. Schon beim Supportact Ikaria wird allerdings klar: das haben sie locker übertrumpft.
Ikaria aus Berlin sind eine nicht gerade gesprächige Band. Bassist und Keyboarder wechseln fröhlich ihre Instrumente und auch den Kopf vor dem Mikro. Die angestrengten Adern von Wut und Verzweiflung sind deutlich in den Gesichtern zu sehen. Nicht weil sie etwa verzweifelt sind, vielmehr sind eben solche Themen Inhalt ihrer Songs, die in einem Bett von skurrilen, knarrigen Gitarren zwischen Noise und Postrock liegen. Dauerhaft mag die Musik wohl anstrengend daherkommen und Ikaria wärmte musikalisch sicherlich auch nicht das Publikum für Hjaltalín auf, werden aber doch mit einem positiven Eindruck und Applaus von der Bühne entlassen.
Mit freudigen Gesichtern betreten Hjaltalin die Bühne. Wasser wird gegen Bier getauscht. Nun ist Zeit für Popmusik. Frische isländische popmusik, die Abwechslung und vielleicht die Antwort auf den so traditionellen, fest in den Köpfen verankerten Postrock: Chamber-Pop nur wegen den besonderen Instrumenten? Nein, sagt die Band. Die Begründung liegt im neuen Album. Neue Songs, neuer Style. Was auf “Sleepdrunk Seasons” noch ruhiger, traditionsbewusster war, wird nun von 60s/70slastigen, nahezu diskoähnlichen Dancefloorkrachern abgewechselt.
Schnller, lebendiger, rocker. Vermeintlich zurückgezogene Isländer haben die Freude am Leben entdeckt. Sänger Höggi bezirzt mit seinen leicht verstörenden Einleitungen zu den Songs. Dessen Formulierungen überlegt er offensichtlich spontan, dementsprechend enstehen längere Pausen, die selbst ihn zum lachen bringen.
Natürlich fehlt auch ein Nachlass an den King of Pop nicht. Was sich seit Juni nahezu als Trend herausgestellt hat, geht auch an Hjaltalin nicht vorbei. Michael Jackson, der im Tourbus im Moment auf Heavy Rotation steht, erhält eine Würdigung mit einer ganz neuen, ganz anderen aber nicht minder tanzbaren Version von “Don’t Stop Til You Get Enough”. Wer da noch steht, ist selber schuld.
Hjaltalín haben sich in jeglicher Hinsicht positiv entwickelt. Das gemaichte Publikum dankt es der Band mit begeistertem Applaus. Von den kleinsten Bühnen, wovon die Hälfte Band runterzufallen droht, haben sie es sich inzwischen auf einer großen Bühne gemütlich gemacht und können Säle befüllen, ohne leer zu wirken. Musikalisch wie persönlich haben die Isländer sich weiter entwickelt. Dies wird sicherlich auch auf ihrem neuen Album zu hören sein, dass noch Ende diesen Jahres bei uns erscheinen soll.
myspace.com/hjaltalinband
myspace.com/ikariamusic
(Koksi)

















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