Holly Miranda | Review
22.07.2010 – Hamburg, Molotow
Nachdem im April dieses Jahres ja bekanntlich in Island der Vulkan mit dem unaussprechlichen Namen ausgebrochen war, musste Holly Miranda ihren Ausflug nach Hamburg kurzfristig absagen. Nun hatte sich einige Monate später endlich ein Nachholtermin gefunden und so stand letzten Donnerstag die zierliche Endzwanzigerin zusammen mit ihrer aus drei jungen typischen Brooklyner Hipstern bestehende Band im kleinen, aufgeheizten Kellerraum des Molotow vor einem erstaunlich zahlreich erschienenen Publikum. Vielleicht hatte der Vulkanausbruch ja doch noch etwas Gutes und in der Zeit waren noch ein paar Fans des zarten, verschrobenen Dreampop der jungen Dame aus erzkatholischem Elternhaus hinzugekommen. Oder wurde sie vielleicht einfach nur überschwänglich im (deutschen) Rolling Stone besprochen, was die teilweise ziemlich alten Männer vor der Bühne erklären würde?
Nichtsdestotrotz war die Stimmung angesichts des vollen Hauses (beziehungsweise Kellers) auf beiden Seiten ziemlich gut, Holly Miranda beschränkte sich angenehmerweise auf höflich kurze, ein bisschen schüchterne Ansagen und konzentrierte sich ansonsten ganz auf die Musik. Die klang live noch ein ganzes Stück roher, während auf ihrem Debütalbum ihr Produzent und TV on the Radio-Frontmann Dave Sitek die Stücke ja stets ordentlich mit massig Studiozaubereien verzierte, so dass man sich gelegentlich ein bisschen mehr Understatement wünschte. Live liegt nun endlich der Fokus auf Mirandas bezaubernder Stimme, die zwar gelegentlich ziemlich soulig phrasiert, aber immer eine gewisse Kühle besitzt, die sie angenehm von anderen Fräuleinwundern der Popmusik abhebt.
Musikalisch scheint hier viel weniger der effektlastige Dreampop durch, man blieb fast ausschließlich bei den Gitarren und den Wundern, den sie so anstellen können. Zwar war der Sound beim Opener „No One Just Is“ noch ziemlich schlecht ausgepegelt und der Bass blies einem nur so um die Ohren, das legte sich aber mit der Zeit und so wurden fast alle Songs des großartigen Debüts mit dem zauberigen Titel “The Magicians Private Library” gespielt.
Auch das anwesende Publikum war sichtlich angetan, bei bekannteren Titeln wie „Joints“, welches als Zugabe gespielt wird, war es teilweise sogar erstaunlich textsicher. Um die klatschende Menge doch noch zu befriedigen, trieb es Holly Miranda schließlich noch einmal auf die Bühne. Nach einem größtenteils improvisierten Cover einer alten Soulnummer war es dann endgültig vorbei und man wurde von den düsteren und gleichsam zuckersüßen Liedern inspiriert in die gar nicht so kalte Nachtluft der Hansestadt entlassen.
hollymiranda.com
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(thadeus)

















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