James Morrison | Review
14.07.2009 – Köln, E-Werk
“Love is hard, you are hot” lässt das Publikum jubeln. Heiß war es tatsächlich. Und die Gemüter waren ebenso erhitzt. Vielleicht ein Grund, warum das ach so heiße Publikum es bevorzugte, sich nicht zu bewegen. James Morrison war das relativ egal und hat eine fantastische Show hingelegt.
Bei einem Durchschnittsalter von 30+ erwartet man eigentlich immer, dass sie schon zu alt für Rockkonzerte sind. Doch überraschend und erfreulicherweise war die Stimmung mindestens genauso gut wie bei großen Rockbands. In Stimmung gebracht wird man durch Milow aus Belgien. Eine Band oder besser ein glatzköpfiger Sänger, der es nicht leicht hat, wenn man nur einen Song aus dem Radio kennt, mehr aber auch nicht. Und dann ist es noch nicht einmal sein eigener.
Aber der junge Jonathan Vandenbroeck gewinnt schnell an Sympathie, als er mit Wunderkerze auf die Bühne kommt, um seinen eigenen Geburtstag zu zelebrieren. Ein Happy Birthday ist da natürlich naheliegend. Anfangs recht enttäuscht vom neuen Wunderkind, dass dieser doch irgendwie nur wie vom Band klingt, soll sich die junge Band noch zu etwas Großem mausern. Und tatsächlich, der Song, der durch die Musiklandschaft hinweg nervt, soll schließlich ein großes Finale für Milow werden.
In Zeiten, in denen Feuer und Zigaretten in geschlossenen Hallen verboten sind, wird sich mit Handy-Displays beholfen um eine recht bezaubernde Stimmung hervor zu zaubern. Eine ausgedehnte Version vom ‘schieß-mich-tot’-50 Cents Originalsong “Ayo Technology” macht all die schlimmen Countrysongs wieder gut und beeindruckt nicht nur mich im E-Werk. Ja, das war gut. Aus Milow kann durchaus etwas werden, er muss nur noch was eigenes finden und keinen Schlabber-Singer/ Songwriter mimen, der er gar nicht ist.
Aber hin zu demjenigen, der bereits hinter dieses Geheimnis gekommen ist. Dafür, dass er wie ein typischer Singer/ Songwriter aussieht, kann er ja nichts. Mit seinem gerade mal zwei Alben auf dem Markt hat er es aber trotzdem geschafft, weltweit bekannt zu werden. Und wie gesagt: das freut ihn. James Morrison hat alles gelernt, was man wissen muss, um erfolgreich zu sein. Er hat es drauf zu erwähnen, dass Deutschland natürlich sein Lieblingsland ist, genauso wie Belgien, Frankreich und England auch. Wunderbar. Und heiß sind wir und überhaupt ganz großes Kino.
Im Gegensatz zu diesen vielen Superlativen war aber das Publikum eher traurig anzusehen, dass James Morrison offensichtlich oft nur durch die aktuelle Single mit Nelly Furtado kannte. Und “Broken Strings” kam nun einmal recht zum Anfang. Wer sich dann doch noch das neue Album gekauft hat, hat etwas länger Spaß, denn die Songs kommen in der ersten Hälfte des Gigs.
Das Publikum läuft Gefahr, zunehmens in Öde zu verfallen, wer bei den Songs des Vorgängers nicht mitfühlen kann oder will. Denn nicht nur die eingefleischten Fans sondern auch James Morrison und seine Band sind in der zweiten Hälfte sichtlich besser gelaunt und eingespielter. Trotz all dem steigt die Stimmung wieder. “Give me something” wird trotz der neuen Arrangements doch noch wieder erkannt und geliebt. James Morrison geht in seiner Akkustikgitarre wahrlich so ab, als würde er eine Gibson in der Hand halten.
Auf “Wonderful World” muss man bis zum bitteren Ende warten, dafür ist es ein umso besserer Song, um in die warme Abendluft Kölns entlassen zu werden. Der Abend hat einige schöne Überraschungen geboten und so gehe ich mit dem Gefühl heraus, dass Radiostars nicht unbedingt One-Hit-Wonder sein müssen. Bei Milow hoffe ich es zumindest, bei James Morrison bin ich mir sicher.
milow.com
jamesmorrisonmusic.com
e-werk-cologne.com
dbe.ag
(Koksi)

















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