Jónsi | Review
31.05.2010 – Köln, Live Music Hall
Ein zermürbtes Gerüst bahnt sich seinen Weg auf der Bühne. Die Stangen stehen bedrohlich in die Höhe, zeigen an, sie könnten gleich alles unter sich begraben. Doch so bedrohlich dieses Szenario auch scheint, so wird jenes Metallgerippe in nur wenigen Minuten mit den schönsten Farbgebungen und Natureindrücken geschmückt und untermalt spielvoll die Musik Jónsis.
Jónsi Birgisson, der zweitberühmteste Mensch Islands, und wohl auch derjenige, der am lebendigsten in seiner eigenen Welt lebt. So steht er dort, eingebettet in bunten Federn und wehenden Stoffbändern. Seine Stimme ist unverkennbar und einzigartig. Ihre Zerbrechlichkeit ist es, die die Menschen berührt und in den höchsten Tönen schlucken lässt. Auch hier sind es die leisen, gefühlvollen Töne, die einem die Gänsehaut auf den Körper treibt. Doch im Gegensatz zu seiner eigentlichen Band Sigur Rós gibt es an dieser Stelle auch die lauteren. Uptempo-Beat, ein Schlagzeuger, der alles gibt und schon fast tanzende Menschen. Dies hat man nur in geringen Ansätzen noch vom letzten Album “Med Sud I Eyrum Vid Spilum Endalust” in Erinnerung.

Die Sonne geht auf über Island hatten wir damals gesagt. In Jónsi‘s Falle scheint es der Wahrheit zu entsprechen. Wohlgemerkt ist hier nicht von Friede, Freude, Eierkuchen die Rede. Auch die bildlichen Untermalungen von Stürmen und sich reißenden Wildtieren spricht wenig von Liebe und Frieden. Doch das will man bei ihm und seiner Musik auch gar nicht erwarten. Es ist die Macht der Natur, die uns letztlich zerstört. Und während Sigur Rós dem Ende noch auf Knien entgegengingen, tut Jónsi dies nun mit einem leicht verrückten Lachen.
Und tatsächlich! Es sind “Go Do”, “Boy Lilikoi” und “Around Us”, die das Publikum zum Jubeln bringen. Lässt man sich einfach nur noch auf die Musik und die Leinwand, beschmückt mit schwarzen Vögeln, Wasser oder anderen Natureindrücken, schafft man es, sich selbst in eine kleine Traumwelt hineinzudenken und tief versunken erst dann wieder aufzuwachen, wenn das restliche Publikum applaudiert. Das finale “It’s Raining Men” lässt schließlich einige sogar kurzweise das Atmen vergessen.
Es mag an Island liegen. Es mag an der Natur dort liegen, Eyjafjallajökull mit eingeschlossen. Oder doch einfach an Mr. Birgisson selbst. Aber dieser Mann scheint nie etwas falsch zu machen. Und wir danken es ihm und gehen mit einem Lächeln auf den Lippen aber auch ein bisschen Wahnsinn im Kopfe in kühle Kölner Nacht hinaus.
jonsi.com
myspace.com/jonsibirgisson
(Koksi)

















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