Krakow loves Adana | Review
01.09.2010 – Hamburg, Uebel & Gefaehrlich
Eigentlich ist es im deutschen Popbetrieb ziemlich einfach, cool zu sein. Redet doch so gut wie jede dreckige deutschsprachige Indieboyband von sich als „besonders authentisch“ und so gut wie jedes traurige Gitarrenmädchen davon, wie sehr ihr die Musik hilft mit ihren Alltagsproblemen umzugehen.
Einen ganz interessanten Gegenentwurf zu dieser penetranten Bodenständigkeit entwerfen die Freiburger „Krakow loves Adana“ mit ihrem Debütalbum „Beauty“. Die Arrangements sind betont kühl und zurückgehalten, meistens steht ganz die dunkle nicoeske Stimme von Sängerin Deniz Cicek im Vordergrund und selbst die verweigert sich jedem Ausbruch. Und wenn es dann doch ein bisschen verzerrter wird, bleibt alles im ruhigen Takt eines bestechend simplen Schlagzeugs.
Live sind „Krakow loves Adana“ nun vom Duo zum Quartett angewachsen, am Bass hilft dabei ihr Produzent und eigentlich auch Entdecker Johann Scheerer aus, in dessen Hamburger Clouds Hill Studio das Album aufgenommen wurde. In eben jener Stadt wurde am Mittwoch auch das Album präsentiert, im endlich wieder geöffneten puscheligen Turmzimmers des Uebelbb & Gefaehrlichs.
Vom ersten Ton an gab man sich konzentriert und in sich gekehrt, jeder Ton sollte sitzen. Und so bestätigte sich schon bald ein Verdacht, denn man schon beim Hören des Albums kriegen konnte: „Krakow loves Adana“ sind eine verdammte Streberband. Man sah ihnen förmlich die endlosen Proben an, damit auch ja niemand aus den strengen Mustern der Songs rausfällt. Dazu passt auch das Cicek wahnsinnig nervös wirkte wenn sie doch drohte sich an einem Akkord zu Vergreifen. Natürlich ist es seltsam, einer Band vorzuwerfen, zu gut zu spielen. Aber zusammen mit einer betont distanzierten Haltung droht das eben ganz schnell ziemlich langweilig zu werden.
Trotzdem hatte das Konzert definitiv seine Momente in welchen die Songs einen wirklich aufwühlen konnten. „Krakow loves Adana“ sind verdammt gut darin, düstere Songs zu schreiben und zu performen ohne in larmoyantes Singersongwritertum abzudriften. Und Songs wie „Porcelain“ treffen trotz ihrer Angestrengheit definitiv einen Nerv.
Außerdem sind „Krakow loves Adana“ immer noch besser als der ganze sonstige deutsche Indiepopschleim, der in den Turmzimmern dieses Landes so vor sich hindudelt, denn im Gegensatz dazu haben sie wirklich gute Songs und ihr Image ist trotz seiner Bemühtheit immer noch interessanter als das von der verträumten Gitarrenband, die Musik macht um an die Mädels ranzukommen. Und eine ziemlich junge Band sind sie ja auch noch, vielleicht trauen sie sich ja bald etwas mehr zu und streifen den Mantel der pseudoaristokratischen Geschmäcklerpose ab, um etwas noch Schöneres entstehen zu lassen.
myspace.com/krakowlovesadana
(thadeus)

















Lieber Takeo.
Etwas polemisch vielleicht aber dennoch; Vielen Dank.
Nicht zuletzt deshalb, weil wir uns am Vorabend des Konzerts im Ü&G zum ersten mal trafen um die Lieder zu viert zu spielen.
Die “förmlich endlosen Proben” sind nun unser Runninggag auf Tour.
Liebe Grüße,
johann