MGMT | Review
// 21.05.2008 / Astoria, London
Schon in der Tube erahnte ich, wer mich zum Astoria begleiten würde. Menschen mit glitzernden Stirnebändern, Männer in goldenen Leggings aber auch MGMT-Shirt- tragende kleine Mädchen mit blondem, gelockten Haar.
“Ja hier sind wir richtig. Oh, mein erstes Konzert in London” höre ich neben mir ein paar kichernde Deutsche sagen. Nach wenigen Schritten ist auf der großen Tafel des Astoria zu lesen: Tonight – MGMT & Guests!
Zugegeben an den Namen des ersten Guest kann ich mich nicht mehr erinnern. Es war schon ein Mix aus Langweilig und Kid Harpoon, ein bisschen Country-lastig mit viel Gitarre, der Gesang im Vordergrund. Ich kam etwas spät und hatte daher nur noch die Gelegenheit, die letzten drei Songs zu hören. Ich werde es überleben.
Mein Höhepunkt aber begann beim zweiten Support-Act. Die hießen Florence & The Machine. Durch Zufall einst auf meinem Computer entdeckt, faszinierte mich diese wahnsinnige Frauenstimme schon vor dem Konzert. Florence. Was für eine Frau. Ich höre abwertende Vergleiche zu Kate Nash, die zu Beginn des ersten Songs jedoch sofort verstummen. Das ist nicht Kate Nash. Florence ist viel besser. Es wird eingestimmt mit “Throwing Bricks” und geht weiter zu dem catchy Ohrwurm “Hospital Beds”. Richtig viel Drama gab es bei “Girl With 1 Eye”. Noch mehr bei “Kiss With A Fist”, der aktuellen Single der Band, was auch schon den finale Ton bedeuten sollte. Ich war wirklich mitgerissen und ganz aus dem Häuschen.
Ich war aufgeheizt. Nach ewigem Warten aber war ich wieder abgekühlt. Die New Yorker Herrschaften haben sich wohl verlaufen, habe ich sie doch draußen gerade noch ein Pub suchen sehen. Einige trinken mehr Bier, andere nehmen mehr Pillchen ein, die sie in ihren 80er-Retro-Bauchtaschen aus einem versteckten Fach hervorholen. Hier ist ja was los.
Doch irgendwann gingen die weißen Lichter aus, die psychedelischen an. Die Bühne betreten Ben Goldwasser, vordergründig an den Synthies zugange, und Andrew VanWyngarden, wie immer mit Gitarre, Tigerstirneband und zerrissenem Batik-Shirt, als hätte er gerade mit einem Bären gekämpft. Weiterhin soll es einen Schlagzeuger, einen weiteren Gitarristen und eine Dame mit Querflöte geben, die allerdings nicht weiter erwähnt werden. “Electric Feel” ertönt und die Sauna beginnt von neuem. Es folgten weitere Songs aus dem Hause Oracular Spectacular. War alles auch ganz nett. Aber ganz ehrlich: unter spektakulär habe ich mir was anderes vorgestellt.
Es wurde kein bisschen geplaudert mit dem Publikum. Es wurde nicht einmal der Beifall abgewartet, da wurde auch schon der nächste Song angestimmt. “4th Dimensional Transition”, “Pieces Of What”, “Future Reflections”. 20 Grad höher gedreht wurde natürlich bei “Time To Pretend”, das offensichtlich den Abschluss der ersten Hälfte andeutete. Nun endlich – doch sie können reden. “Everything alright? Yeah” – Applaus und Jubel – “Yeah”. Yeah, ganz toll. Mit “The Handshake” und “The Youth” wurde auch gleich zum Schunkeln eingeladen. Da lagen sich nun die Menschen einander im Arm. Allerdings aufgrund der versteckten Pillchen, die eigenständiges Standvermögen unmöglich machten. Auf Dauer ist es schon nervig, wenn dir irgendwelche Menschen auf der Schulter liegen, weil sie gar nicht mehr wissen, wo links und rechts ist – um dann im nächsten Moment die Hände gen Himmel zu strecken und offensichtlich irgendwas anbeten.
Übrige Lieder läpperten so vor sich hin. Auch Songs aus vergangenen Zeiten wurden gespielt, kamen aber bei den halb neben sich getretenden Gästen kaum an. Ein 20minütiges Gitarrengeschrammel in der Zugabe versetzte am Ende fast jeden in einen Dornröschen-Schlaf. Dann gerade noch rechtzeitig erklangen die Töne von “Kids” – einfach DER Song hierzulande. Die 3D-Brillen wurden noch einmal zurecht gerückt und hinter die Ohren festgeklemmt, um seine aufgestauten Energien zu verlieren. Erstmals hatte ich auch den Eindruck, die Band hätte sogar Spaß auf der Bühne. Es wurde gelacht und getanzt und Späßgen gemacht mit den ersten Reihen.
“You wanna fuck around with us?” höre ich anschließend, Jubel und “Yeah”-Schreie im Anschluss. Dass die Wortgruppe “fuck around” im Amerikanischen eine andere Bedeutung hat als im Britischen, lasse ich einfach mal im Raum stehen. Ich bewege mich Richtung Ausgang und kann gerade noch einem Synthie/Geschrammel/Kopfschmerz – Solo entkommen.
Oracular Spectacular ist Gold wert. Auf Platte. MGMT sind es live – leider – nicht. Zu verbissen, zu sehr mit sich selbst beschäftigt. Irgendwas läuft einfach nicht richtig, wenn man die Partyergüsse nur mit Pillen oder literweise Alkohol bekommen kann, wo doch die Droge MGMT heißen sollte.
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(Koksi)

















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