Nada Surf | Review
20.04.2010 – Köln, Gloria Theater
Nada Surf gelten als Urgestein des Power Pop. Seit nunmehr 15 Jahren veröffentlicht das Trio Platten – mit immer anhaltenem Erfolg. Nahe liegend ist auch das Konzert im Kölner Gloria ausverkauft. Allerhand Generationen versammeln sich in dem roten Theater.
The Tunics aus London eröffnen den Abend. Noch kann man sich frei bewegen und wie an so jedem Abend wird der Support Act lediglich belächelt, zugehört wird allerdings eher selten. Das Trio aber ist freudig erregt. Alternative Rock trifft auf Indie-Pop. So wirklich englisch klingen sie nicht und auch sehen sie viel amerikanischer aus als die übrigen Bands aus England. Am Drummer scheint ein wahres Kiss-Mitglied verloren gegangen zu sein. Spielerisch schlägt dieser auf die Trommeln und Schellen und bleibt bei seinem Schauspiel mit der Zunge, das er für die Fotographen veranstaltet, auch mal hängen. Der Sänger hingegen bleibt wie versteinert stehen und zieht sein Set durch. Er würde auch als Sohn von Hugh Grant und Billy Joe Armstrong durchgehen, liebenswürdig und verrückt zu gleich. Schwirrende Gitarren und quäkiger Gesang sind vielleicht in der Tat nicht das, was ein richtiger Nada Surf-Fan hören möchte. Den abschließenden Applaus ihres Sets haben sie sich aber trotzdem mehr als verdient.
Das grüne Schlagzeug von Drummer Ira glitzert erwartungsvoll im Scheinwerferlicht. Die Atmosphäre ist schneidend dick vor Vorfreude, nicht nur beim Publikum sondern auch bei der Band, die mit einem breiten Grinsen die Bühne betritt. Alle grinsen mit. Die ersten Töne von “See these bones” erklingen kitzeln aus jedem Besucher ein innerliches Jauchzen hervor. Hier sind wir, hier sind sie – eine Zusammenkunft seinesgleichen. Wer Nada Surf bereits einmal live erleben durfte, der weiß, was in den nächsten Minuten passieren wird. Und dem kann man sich gewiss sein.
Es folgt ein bunter Mix aus ihren bisherigen fünf Studioalben plus dem noch nicht veröffentlichten neuen und ersten Coveralbum “If I had a hi-fi” der Band. Kein Song, den man über alles liebt, wird vermisst. Die Setlist wird beliebig verändert, einerseits weil die Bassgitarre von Daniel einfach nicht mehr halten will, andererseits weil Ira’s Familie, die aus Deutschland kommt, zugegen ist und sich Songs wünscht. Ob “Blizzard of ’77″, die ‘Fruchtfliege’ (im besten deutsch von Sänger Matthew) oder “Hi-Speed Soul” – alles ist vertreten, was man sich nur wünschen konnte. Auch die neuen und doch nicht neuen Songs vom Coveralbum scheinen gut anzukommen. Bill Fox’ “Electrocution” bietet den Einstieg, Depeche Mode’s “Enjoy The Silence” folgt mit einer fröhlichen Leichtigkeit.
Amüsant wird es, als die Band erzählt, was sie denn so im Backstage-Bereich tun, wenn sie einfach nichts mehr zu tun haben. Hier wird keine Line Koks gezogen und Prostituierte gibt es auch nicht. Stattdessen werden Filmtitel gesucht, bei denen man Wörter durch ‘Snacks’ ersetzen kann. Neben Vorschlägen wir ‘The Snacks Empire’ oder ‘Snacks And The City’ findet sich der Gewinner in den ersten Reihen, der mit ‘Snackless in Seattle’ die Band soweit amüsiert, dass dieser sich einen Song in der Zugabe wünschen darf. “Amateur” soll es werden und obwohl Matthew arge Befürchtungen hat, dies zu versauen, da er nicht einmal mehr die Lyrics wusste, hat es am Ende doch allen mehr als gefallen.
“Do it again”, “Always Love” und ein fulminant langgezogenes “Blankest Year” bilden den Abschluss dieses großartigen Abends. Volle zwei Stunden stehen die drei auf der Bühne. Alle sind glücklich, Band wie Publikum. Nada Surf beweisen wieder einmal, warum es sie immer noch gibt und warm sie niemals aufhören sollten. Das Grinsen ist noch immer nicht beendet und hört man dem Ein oder anderen einmal zu, so unterhalten sie sich immer noch über Snacks-Filme. Ein Evergreen an Konzertabend!
Die Setlist
- See these bones
- Weightless
- Happy Kid
- Blizzard of 77
- Love Goes On (Go-Betweens cover)
- Fruit fly
- Electrocution (Bill Fox cover)
- Enjoy the silence (Depeche Mode cover)
- 80 Windows
- I like what you say
- Hi-speed soul
- What Is Your Secret?
- Killian’s Red
- You were so warm (Dwight Twilley Band cover)
- Blonde on blonde
- Hyperspace
- Whose Authority
- Love and Anger (Kate Bush cover)
- Do it again
- The Way you wear your head
- Amateur
- Evolution (Mercromina cover)
- Always Love
- Blankest Year
Zugabe
nadasurf.com
myspace.com/nadasurf
(Koksi)

















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