Port O’Brien | Review
01.12.2009 – Köln, Gebäude 9
Der Dauerregen wirkt nicht gerade einladend, vor die Tür zu gehen. Dazu weht ein kalter, kräftiger Wind. Wer nicht auf Schälsick Kölns wohnt, überlegt es daher vielleicht einmal mehr, in das Gebäude 9 zu fahren. Ein paar Hundert Leute konnten sich aber dennoch aufraffen und haben den Abend mit den sogenannten Alaskianern sicherlich nicht bereut.
Im Vorprogramm stehen zwei Bands auf der Bühne. Zum einen bieten First Aid Kit einen hübschen Mix aus Folk Pop. Das Schwestern-Duo ist gut vorbereitet, stellen in freundlicher Geste dem noch relativ kleinen Publikum ihre Songs vor und covern hier und da auch mal einen Song der Fleet Foxes. Das ist alles sehr nett, teilweise sogar herzergreifend, haut aber weder mich noch die übrigen Anwesenden um.
Anders sieht es da bei Royal Bangs aus. Ihr Mix aus Rock’n'Roll und Electro aus Amerika trifft vielerlei Nerven und bringt das Publikum zum Tanzen. Mit einer wahrlichen Tanzveranstaltung wird an dem heutigen Abend ja eh nicht gerechnet. Zu sehr sitzen auch Port O’Brien Songs wie “Fisherman’s Son” oder “My Will Is Good” im Herzen, zu denen man höchstens in schwerer Melancholie noch den Kopf nicken kann. Doch nicht so bei Royal Bangs, die mit viel Schweißblut das Publikum auf ihre Seite ziehen. Ein großartiger und selten erfolgreicher Auftritt für einen Supportact.
Und zu vieler, aber vor allem auch meiner Überraschung war die Melancholie bei Port O’Brien fast ebenso wenig angesagt wie bei der Vorgängerband. Die Band aus dem kalten Alaska ist zu Scherzen aufgelegt, erzählt hier die eine oder andere Anekdote von ihrer Tour. Aufgefallen ist, dass Cambria Goodwin nicht mehr dabei ist. Aufgefallen ist aber auch, dass dafür Tyson Vogel von den Two Gallants nun auch hier das Schlagzeug bedient. Vornehmlich wurden die neuen Songs von “Threadbare” vorgestellt, die deutlich in ruhigere Fahrwasser gefahren werden als das Vorgängeralbum “All We Could Do Was Sing”, jedoch noch immer nicht die Dezember-Sentimentalität hervorrufen.
Auf akkustischen Folk spezialisiert machen die jungen Herren gesangslastige Musik, die zum Mitsingen ansteckt. Hier werden Geschichten erzählt, die einen geradezu fesseln, mit denen man auf Reisen geht. Nicht zu verdenken, machen sie damit einen klammheimlichen aber erfolgreichen Aufruf: zurück zur Natur. Und das in jeglicher Hinsicht. In ihrer Musik werden keine großen Experimente vorgenommen, man besinnt sich vielmehr auf die klassischen Instrumente wie der Gitarre, Schlagzeug und natürlich auch dem Gesang.
Die Band weiß, was sie tut und sie tun es gut. Die lächelnden Gesichter vermehren sich. Natürlich warten alle gespannt aber zurückhaltend auf den einen Song, “I Woke Up Today”, der da auch am Ende folgen mag. Die Bühne wird von den ersten Reihen gestürmt. Alle Instrumente, Schellen etc., die gerade keiner braucht, werden weitergegeben. Eigentlich fehlte nur noch das Lagerfeuer und die sommerliche Wärme. Es war wie eine hippie-eske Tanzveranstaltung, alle sind im Kreis gesprungen, jeder singt “Ahh Ahh” in seinen schönsten Tönen.
Das Gebäude 9 wird mit Grinsen und guter Laune verlassen. Hier zum Ende des Jahres wurde dem Publikum noch einmal ein musikalisches Schmankerl ans Herz gelegt. Niemand bereut den Gang durch den Regen, wenn man doch für mindestens 3 Stunden wieder einmal in eine ganz andere Welt abtauchen kann.
(Koksi)

















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