Port O’Brien | Review
18.04.2010 – Dresden, Beatpol
Mensch, was haben wir uns darauf gefreut. Port O’ Brien endlich mal live zu sehen. In den letzten Jahren hat es nie geklappt und dann doch, das ist doch was. Dann ist es umso bedauerlicher, dass das, was wir da gesehen haben, so gar nichts mit den Port O’Brien zu tun hat, die wir kannten. Lediglich zwei von fünf bekannten Gesichtern stehen da auf der Bühne und versuchen zu retten, was eigentlich nicht mehr zu retten ist.
Doch beginnen wir ganz am Anfang. Bei Laura Gibson nämlich, der bezaubernden Folksängerin mit den vielen “uuhs” und “aahs” im Songtext. Ihr Auftritt ist eine luftig-leichte Frühlingsbrise, ein Americana-Folk-Genuss, der melancholisch-schön vor sich hin plätschert. Sie steht da, ganz in weiß und singt ihre Lieder, wird begleitet von zwei Männern, die die unterschiedlichsten Instrumente bedienen. Das reicht dann auch schon aus zum schön sein. Beim letzten Lied, einer Art Gospelsong, sollen wir mitsingen, eine leichte Melodie, die tausendmal wiederholt schon fast beschwörend wirkt. Allein zu unserem Gebrummel singt Laura Gibson dann eine kleine Melodie und verabschiedet sich anschließend mit einem umwerfenden Lächeln.
Bis jetzt alles gut, denken wir uns. Und freuen uns gleich noch ein wenig mehr auf Port O’Brien, die wenige Minuten später die Bühne betreten. Vier Männer, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Schon jetzt dürfte auffallen, dass so einiges faul ist. Sängerin Cambria Goodwin fehlt, der Drummer und der Gitarrist sind eigentlich auch nicht Port O’Brien. Nein, denn der ursprüngliche Drummer und der ursprüngliche Gitarrist haben die Band vor der Tour verlassen. Cambria Goodwin fehlt aus persönlichen Gründen. Also stehen da nur Sänger Van Pierszalowski und Bassist Ryan Stively. Der Rest wurde hastig zusammengesucht. An den Drums sitzt nun Tyson Vogel von Two Gallants und der Gitarrist ist ein Freund aus Norwegen, den Van vor der Tour schnell mal eben “angeskypt” hat.
Nicht, dass ich was gegen Two Gallants oder Tyson Vogel hätte, aber er will einfach nicht zu Port ‘O Brien passen. Und so ist dann auch das Konzert mehr eine schlechte Persiflage einer Two Gallants Show. Ab und zu steht als Krönung noch eine peinliche Frau neben Tyson auf der Bühne, die verzweifelt versucht mit ihrem Schellenkranz im Rhythmus mitzuklatschen, es aber erst schafft, als Tyson ihr den Rhythmus ganz langsam vorklatscht. Sänger Van Pierszalowski scheint allzu betrunken zu sein und gröhlt die Songs eins nach dem anderen ins Mikro. Es ist nicht schön mit anzusehen, wie eigentlich zauberhafte Songs wie “A Fishermans Son” in einer Mischung aus Bier, Gitarrenlärm und Schlagzeuggeknüppel untergehen.
Der Gipfel der Peinlichkeit ist allerspätestens bei “I Woke Up Today” erreicht, als Van das Publikum bittet, nein zwingt auf die Bühne zu kommen und so laut wie möglich mitzugröhlen. Da stehen dann zehn Teenager, die mit in die Luft gereckten Armen “I Woke Up Today” gröhlen. Es fühlt sich ein wenig an wie Männertag am Elbufer. Die Zugaben hätten sie dann auch stecken lassen können, viel mehr geht eigentlich nicht zu ertragen. Das, was da auf der Bühne steht und gröhlt, ist nicht Port O’Brien.
myspace.com/portobrien
(moneybernd)

















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