White Lies | Review
02.11.2009 – Hamburg, Markthalle
Weißes Licht lässt die Bühne erstrahlen. Eben noch hatten die kalifornischen Retro-Rocker von Darker my Love mit unausgeglichenem Sound und Rauschattacken zu kämpfen, aber jetzt wurde es Zeit für White Lies. Erstaunlich wie eine Band mit nur einem Album in Deutschland so ein Massenphänomen werden konnte: Die Markthalle, der alte Metallerschuppen, ist verdammt voll. Entsprechend euphorisch werden die vier schwarz gekleideten Gestalten empfangen, ohne großes Vorspiel fangen sie an und der treibende Beat von „Farewell to the Fairground“erklingt aus den Boxen. Das Publikum ist bereits beim ersten Song erstaunlich textsicher, der ganze Raum ziemlich euphorisch. Es ist Montagabend, aber das scheint niemanden zu stören. Die Leute sind im Allgemeinen eher älter, aber bei den Preisen kann man wohl nichts anderes erwarten.
Die White Lies wollen düster sein, das machen sie nicht nur mit der Bühnenbeleuchtung klar. Die Texte drehen sich um Tod, unsterbliche Liebe, Schuld, Angst… Die ganz großen Themen eben, auch musikalisch hat hier niemand Angst vor zu viel Pathos. Die Stimme des Sängers zittert, klingt gelegentlich so trocken wie Ian Curtis, nur um bald wieder in den ganz großen Pathos abzurutschen. Und jeder Ton sitzt. So wie alles in der Band ziemlich perfekt einstudiert ist, musikalische Ausbrüche sind nicht vorgesehen. Jeder Gitarrenanschlag, jede Bassline, jedes Schlagzeug Fill-In sitzt perfekt. Die vier Engländer sind ziemliche Streber.
Ein typischer White Lies-Song baut sich langsam um Bass und Schlagzeug auf, um dann in einen bombastischen Chorus zu münden. Das ist zwar nicht besonders spannend, aber effektiv. Auf ihrem Album finden sich einige Perlen, die man nur schwer aus dem Kopf kriegt. Live ist das noch schöner, White Lies sind schließlich ohne Zweifel eine pompöse Band, die in große Hallen gehört. Bestes Beispiel ist vielleicht „A Place to Hide“ , das mit einer schwer an The Cure erinnernden Bassmelodie und sanften Synthies beginnt, um dann im wirklich schönen Refrain alle musikalischen Register zu ziehen. Die Stimmung jedenfalls wurde von Song zu Song besser, obwohl die White Lies sympathischerweise nicht viel von Publikumsanimationen halten.
Manchmal lenken dann aber doch die teilweise ziemlich trivialen Texte ab und lassen einen zweifeln. Warum schon wieder ein paar englische Mittelklassekids, die singen müssen, wie sie vor Kummer fast gestorben wären? Trotzdem stört das fast nie, selbst diese Lieder werden nie zu lethargisch, dazu ist das Schlagzeug viel zu exaltiert. Bei vielen Liedern nervt nur das ziemlich billige Powerchord-Gebratze und in ihren schlechtesten Momenten klingen sie fast wie die furchtbaren Killers. Aber das bleibt die absolute Ausnahme, die vier Londoner haben es wirklich nicht verdient mit derartigem Kaugummirock verglichen zu werden (obwohl sie mit denen ja auch schon getourt sind).
Und auch wenn sie nicht gerade Popmusik neu erfinden, können sie einfach gute Songs schreiben. Die sind allerdings auch schon über ein Jahr alt, eigentlich könnte man mal neue Sachen erwarten. Stört aber wieder niemanden, das Publikum ist froh, dass es seine Lieblingslieder wiedererkennt und jedes Mal von Neuem begeistert wird. Nach einer (natürlich eingeplanten) Zugabe verabschieden sich die Vier und haben an diesem Abend eine ganze Menge Menschen begeistert.
myspace.com/whitelies
(thadeus)

















In München musste der Gig nach dem 4ten Song abgebrochen werden… Stimmprobleme. Du hattest echt Glück. Wäre auch gerne dabei gewesen.
“Klingen wie die furchtbaren Killers”? Lol.
Die Killers müssen gedisst werden, bei jeder Gelegenheit! Wegen Stimmproblemen abzubrechen ist bei den Preisen eher unverständlich, passt aber zu der Band. Gab es dann fett Riot?!