Popsoap 11 | Christoph Schneider Report
// Club Rock’in Beats (zwei)
Im Lichtkegel eines Scheinwerfers der Discobeleuchtung stand ich da. Fuß mitwippend, Hüfte schwingend, Kopf nickend, starrer Blick. Susan umarmt mich, drückt ihre Wange an meine und gibt mir einen Kuss. Danach schreit sie mir lauthals ins Ohr das sie so glücklich ist und das alles so gut geklappt hätte und jetzt endlich alles so toll ist.
Ihr Bruno Banani kriecht mir in die Nase und ihre leicht feuchte Haut lässt mich ein wenig auf Abstand gehen. Sie greift meine Hand, damit hat sie meine feuchte Stelle erwischt und zieht mich hinter sich her zur Bar, wo wir einer weiteren, ausgesprochen hübschen jungen Dame gegenüber stehen. Sie bestellt zwei Heineken und bezahlt mit einem Augenzwinkern. Schon klar, ihr Laden, ihr Bier. Ich nehme ihr eine Flasche ab und Proste ihr zu und sage, wie es mich freut, dass alles so gut geklappt hat und das jetzt endlich mal was los sei hier. Sie rückt an mich ran, ich spüre ihre Wärme, lege ganz locker meinen Arm auf den Tresen und umarme sie somit mehr oder weniger. Ich merke, dass ich wahrscheinlich nicht der Erste bin, mit dem sie auf ihren Laden angestoßen hat. Sie wankt. Noch im selben Ausfallschritt nimmt sie auch den nächsten Ausfallschluck. Meine schwarze Lieblings 501 und auch mein brandneues Nepomukshirt nehmen unfreiwillig ein Bad im mundgespülten Heineken von Susan. Sie wischt sich den letzten Speichelfaden von der Lippe und macht sich dadurch nicht unbedingt attraktiver. Sie fällt nach vorn und kichert in mein benässtes T-Shirt. Ich versuche sie irgendwie zu halten und wieder aufzurichten, aber die Dame hat die Koordination verloren. Wenn mich jetzt von hinten noch jemand antippt und meint, ich hätte seine Braut im Arm, wäre die Situation natürlich perfekt. Ich könnte ihm dann natürlich mit freundlichen Grüßen seine Braut zurückgeben und hätte somit mein Problem gelöst, aber natürlich hätte ich dann auch meine Chance verspielt. Scheinbar hatte in diesem Moment niemand ein Auge auf die Jung-Club-Besitzerin geworfen und ich nutze die Gelegenheit, um sie an einen sicheren Ort zu bringen.
In den Boxen der Disse bemühten sich die Fantas, mir zu erklären, dass alles so „einfach sein“ könnte, was ich in diesem Moment nur sehr schwer glauben konnte. Auf der Damentoilette angekommen, stellte ich meine leicht angeschlagene Begleitung vor dem Waschbecken auf. Sie sah nicht gerade anbetungswürdig aus, hatte aber zu keinem Zeitpunkt dieses Abends ihren natürlichen Charme verloren. Sie grinste sich selbst im Spiegel an, presst ihre Lippen zusammen und rief mich Chrischto. Ich stellte mich hinter sie, sie ließ ihren Kopf auf meine Brust fallen. Wir blickten uns im Spiegel an. Sie sah unglaublich wild aus. Ich war verdutzt. Die Situation war verfänglich, ich angenehm angeknallt, sie stink besoffen. Mein Testosteronspiegel erhöht, bemüht weiterhin zu steigen, ihr Promillewert grenzwertig aber durchaus bereit zu fallen. Sie drehte sich zu mir um, schien sich gefangen zu haben, durchaus weit weg vom kotzen, blickte mir ernsthaft in die Augen und schien meine Reaktion in Form eines Kusses zu erwarten.
Der laute Türaufprall auf die weiße Kachelwand des Damen-WC zerschlug alle Illusionen. „Hier steckst du!“, meinte das hereinstürzende Mädchen, welches mir beim Bier ausschenken an der Bar wesentlich besser gefallen hatte. „Und wer ist er?“, fragte die Barschnalle. „Er“ ist der Typ der gerade dabei war seine Traumfrau zu verführen und dich gleich zusammen mit deinem dicken Arsch auf einen anderen Planeten verfrachten wird, dachte ich mir und ging an ihr vorbei.
Vor der Toilette zündete ich mir eine f6 red an, blickte noch einmal durch den Saal und beschloss, dass genau jetzt der Richtige Zeitpunkt wäre, die Veranstaltung zu verlassen. Keine fünf Minuten später lief ich den schier unendlichen Weg, den ich hergekommen war, zurück. Körperlich allein, gedanklich zu zweit. Mit einem breiten Lächeln skippte ich meinen ipod zurück und begann noch mal alles von vorn zu hören. …… 0:01
(joakim_e)

















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