» Kabelblume » Popsoap 7 | Christoph Schneider Report Popsoap 7 | Christoph Schneider Report » Von joakim_e » Ich, Mal, Christoph, Minuten, Kilometer, Mädchen, Ein, „Ich, „Und, Zeit, Blick, Es, VW, Stunde, Fahrt, Kann, Figur, Schicksal, Der, Stirn » » Kabelblume

Popsoap 7 | Christoph Schneider Report

CS// 160 Kilometer pro Stunde (!!!)
Sieben Uhr elf! Ein lautes Geräusch stört meinen Schlaf. Ich schrecke hoch, lasse meinen Arm mit einer einzigen kurzen Bewegung auf den „Shut Up“ Knopf meines Weckers fallen und dreh mich nochmal auf die Seite. Zu früh, viel zu früh denke ich und versetze mich noch einmal in den Tiefschlaf. Fünf Minuten später zwingt mich das altbekannte, nervtreibende Geräusch zum Aufstehen. Langsam besinne ich mich und registriere Tag, Ort und vor allem Uhrzeit. Hastig schlage ich meine Decke beiseite und stürze aus dem Bett. Innerhalb einer dreiviertel Stunde schaffe ich es mich anzuhübschen, ein wenig Frühstück in die Figur zu schieben und meine restlichen Sachen wahlweise aufzuräumen oder einzupacken.

Pünktlich acht Uhr stehe ich gemeinsam mit meinem Freund dem Rucksack vor meiner Haustür und warte auf meine Mitfahrgelegenheit. Zwei Minuten später biegt ein grauer VW Passat Kombi in meine Straße ein und fährt zögerlich bis vor meine Füße. Ein blondes Mädchen kurbelt die Scheibe des Beifahrers hinunter und fragt mich ob ich Christoph sei. Spontan fällt mir darauf nur „Ja, bin ich“ ein und schon öffnen sich mir alle Türen. Ich war mir nicht sicher ob meine natürliche Luftzufuhr ausreichen würde um diese Fahrt zu überleben. Das Mädchen sah einfach atemberaubend aus. Süß, bezaubernd, attraktiv, toll, berauschend und auch noch super sexy. Ihr verträumter Blick, ihre wohlgeformten Lippen, ihre kleine Nase, ihr lockiges Haar und ihre scheinbar perfekt geformte Figur machten mich sprachlos. „Ähm, Hallo? Christoph? Geht’s dir gut?“ Ich starrte sie an und bemerkte nicht einmal das wir bereits on the road waren. Ich musterte gerade noch ihr Outfit, während sie beiläufig die Musik wechselte, grünes Feinrippträgershirt mit Sonnenblumenemblem auf der Brust und dazu passend eine grüne Samthotpan mit gelben Außenrandstreifen, dazu Flip Flops. Sie trug einen Holzring an der rechten Hand, einen von diesen afrikanischen Holzarmringen und ein Fußkettchen am rechten Bein. „Christoph? So heißt du doch oder“ ich war von ihrem Anblick komplett überwältigt und stotterte nur „Meine Freunde nennen mich Chris“. Gleichzeitig klatschte ich mir in Gedanken auf die Stirn. Du Vollidiot, was für ne scheiß Antwort. Es war tierisch heiß und ich total nervös.

Ich wusste das der erste Augenblick über Sieg oder Niederlage, Sympathie oder Antipathie, Große Liebe oder flüchtiges Kennen lernen entscheidet und so rückte ich mich in eine bequeme, extrem abgebrüht wirkende Position in den VW Sitz und tat als hätte ich die Sache fest im Griff und sei schon von Natur aus Cool. In den Lautsprecherboxen lief Snow Patrol, was mich aber nicht sonderlich interessierte, denn in meinem Kopf liefen ungefähr eine Millionen Filme gleichzeitig ab. Vorsichtig riskierte ich den nächsten Blick. Autsch, verdammt, sie sah immer noch so unglaublich gut aus wie auf den ersten Blick. „Ich bin Susan“ sagte sie mit weicher, fast zärtlicher Stimme. Susan, was für ein wunderschönes Wort. Ich reagierte nicht und löste meine Blicke wieder von ihr. Lass dir was einfallen Christoph, beeindrucke sie, sag was tolles, etwas umwerfendes, etwas einzigartiges, „Schönes Auto hast du!“. Mein Hand klatscht ein zweites Mal auf meine Stirn. Dieses Mal jedoch wesentlich härter. Es war nicht zu fassen, da sitze ich neben dem schönsten Mädchen dieses Planeten zusammen in einem und dem selben Auto und bekomme keinen vernünftigen Satz gebaut.

Panik machte sich breit. Panik das die Fahrt schon sehr bald beendet ist und ich nicht mal weiß wo sie hin will und was sie da machen wird. „Und, was machst du so?“ vernahm ich von links. Unglaublich, sie fragt mich zuerst. Noch während sich Groß- und Kleinhirn zur Beantwortung dieser kniffligen Frage verständigen konnten, verselbstständigte sich mein Sprachzentrum und präsentierte „Ich arbeite in einer Druckerei“. Soweit so gut, Ehrlichkeit kommt an dachte ich mir und ergänzende „Aber nur um genügend Geld zu verdienen um mir meine Festivals zu finanzieren“. Danach erzählte ich von meiner Mutter und ihrem und damit auch meinem tragischem Schicksal.

Der Bann war gebrochen und scheinbar mochte sie meine Wohltätigkeitsnummer. Sie strich sich eine von ihren zahlreichen blonden, lockigen Strähnen aus dem Gesicht und beschleunigte ihren VW auf 160km/h. Wir waren auf der Autobahn. Von hier aus hatte ich noch ungefähr 1,5 Stunden Zeit sie von mir zu überzeugen. Es lief gut für mich und auch sie plauderte über Festivalerlebnisse, Konzerte und dies und das. Wir unterhielten uns angeregt, scherzten zusammen und brachten uns sogar das eine oder andere Mal in Verlegenheit. Die Kilometer gingen dahin, parallel dazu die Minuten. Ich musste meine Strategie in die Offensive verlagern. Keine Kupplung und keine Bremse mehr, jetzt einfach nur noch Gas. Voller Angriff Christoph. „Und? besuchst du Jemanden?“ fragte ich. „Nö,“ Kaugummiblase zerplatzt vor ihrem Mund „Ich fahre nach Hause.“. „Du wohnst in dem selben Kaff wie meine Mutter?“, an dieser Stelle würde ich sterben für ein „Ja“., „Jo, wohn ich“. Perfekt, ein „Jo“ nehme ich natürlich auch.

Irgendwie bemannten mich Glücksgefühle und in meinem Eifer fragte ich sie ganz direkt „Und? Haste da ’nen festen Freund?“. Ich schaute sie an, sie schaute mich an, unsere Blicke trafen sich, die Zeit stand still, der Moment so unglaublich greifbar, die Situation doch so verfänglich. So müssen sich die Menschen beim Mauerfall gefühlt haben, fällt sie oder lässt sie es doch bleiben? Zu meinem Entsetzen blieb sie stehen. „Nee, der wohnt woanders“. Meine Euphorie prallte ungebremst mit geschätzten 160km/h gegen die Mauer. Verdammt, wieso ich? Kann das Schicksal nicht ein Mal gut zu mir sein? Kann ich nicht ein Mal Glück haben? Ich war von einer Sekunde auf die anderen reservierter, irgendwie abwesend und enttäuscht.

Von einem Autobahnschild erfahre ich das wir noch ungefähr 20 Minuten unterwegs sein dürften. Ich nutzte die Zeit um mir die Gegend anzuschauen. Ein Feld nach dem anderen, ein Baum neben dem anderen und Kilometer lange, wunderschöne Leitplanke. Im Kopf hatte ich jedoch nur die tiefblauen Augen der wundervollen Person neben mir. Susan beförderte mich noch genau bis zum Bahnhof unseres gemeinsamen, was für ein in dieser Verbindung schönes aber tragisches Wort, Zielortes und verabschiedete sich mit einem Handschlag bei laufendem Motor von mir.

Kein „Auf Wiedersehen“, kein „Bis Bald“, kein „Wir sehen uns“, lediglich ein „Tschüß, mach’s gut“. Da stand ich also wieder, nur ich und mein mannshoher Travellerrucksack der, wenn er könnte, sicher auch weglaufen würde. Der Passat ließ noch einmal seine Rücklichter aufblinken und verschwand dann hinter dem Gebäude der Alten Post. Weg war sie. Was für eine ungerechte Welt.


(joakim_e)

  • Keine(r)
  • 1 Kommentar

    1. ah… welch dramatik. armer chrischi.

    Kommentar verfassen