Popsoap 9 | Christoph Schneider Report
// Lovetoys
“H….Ha….Hal….Hall…. Tag!” Mein Sprachzentrum befand sich auf der Intensivstation, bereit für den Rest meines Lebens abzudanken. Meine Mundwinkel wie Beton im Gesicht festgemeißelt und mein Herz rutschte ohne Rücksicht auf Verluste knietief in meine Hose ab. Schon der Versuch, einzelne Buchstaben sinnvoll in Wörtern aneinander zu reihen scheiterte kläglich. Meine schweißnassen Hände stellten die mit Spielzeug gefüllten Säcke zu Boden. „Hey, was machst du denn hier?“ fragte mich das bildhübsche Mädchen, welches mich in ihrem VW Passat bereits hierher gebracht hatte. Abgelenkt von ihren blonden Prachtlocken, ihrem süßen Gesicht, ihrer Hammerfigur und ihren rosa Gummihandschuhen antwortete ich schweißgebadet „Ich spiele Weihnachtsmann“. Sie lächelte, Gott sei dank, ich hätte mich erschossen. „Weihnachtsmann?“, nimm dich zusammen Christoph, „Ähm, ja Weihnachtsmann! Der Typ der mit krummen Rücken und dickem Sack kleine Kinder beschenkt“. „Ah ja?!“ erwiderte sie und lächelte immer noch. Ich war der festen Meinung, dass dies bereits die entscheidenden 3 Sekunden zuviel Lächeln war, um nur Sympathie für mich zu empfinden. Ich sah uns schon Hand in Hand glücklich über Wiesen springen, Schmetterlinge fangen und gegenseitig Softeis auf die Nase drücken.
Sie zog sich ihre Handschuhe aus, rieb sich ihre Hände an ihrem Rock ab und kam direkt auf mich zu. Ich war bereit, mich ihr bedingungslos hinzugeben, bereit ihr den Kuss ihres Lebens aufzudrücken, sie zu umarmen und nie wieder los zu lassen. „Kann ich mal durch?“ entgegnete sie mir. Ich rückte mich bei Seite, ließ sie passieren, schnallte mir mein Spielzeug auf und folgte ihr durch den langen, dunklen Korridor. Ich stellte fest, dass selbst ihre Silhouette alles übertraf, was ich je getroffen hatte. „Warte hier!“ Ich stand wieder im Vorraum aus dem ich gekommen war. Susan unterhielt sich draußen im Hof mit einer älteren Dame, die vermutlich ihre Chefin war. Als sie zurück kam und mir erneut den Atem raubte forderte sich mich auf, ihr wiederum zu folgen.
Wir gingen in einen Nebenraum, der scheinbar der Aufenthaltsraum der Erzieherin war. Sie setzte sich auf eine weiße Ledercouch, schlug ihre Beine übereinander, lehnte sich zurück und pustete sich eine Strähne aus dem Gesicht. „Dann pack mal aus!“ Diese Zweideutigkeit in ihren Worten brachte mich aus dem Konzept und ich überlegte einen kurzen Augenblick doch lieber mich auszupacken als dieses alte Spielzeug. Ich entschied mich dann doch lieber die Teddys in ihre neu gewonnene Freiheit zu entlassen und ihnen ihre neue Heimat und vor allem ihre neue Gastmutti vorzustellen. Einen nach dem Anderen stellte ich bei Susan persönlich vor. Päarchen, Geschwister, ganze Familienstammbäume schmückten meine Geschichten zu den Kuschelmonstern. Susan kringelte sich vor lachen und war sichtlich von meiner kleinen Vorstellungsrunde amüsiert. Als ich den letzten Teddy an seinem Arm aus dem Sack zog und Susan sich fast von der Couch kringelte musste mir was einfallen. Ausgerechnet Bruno mein alter Kumpel, der mit ohne Augen und abgekauerter Nase war der letzte Bär, der das Licht der Kita entdeckte. Verdammt, mit diesem abgekuschelten Kuscheltier sollte ich nun schlussendlich ihr Herz erobern? Das wäre ja als hätte Adam Eva einen verfaulten Apfel geschenkt. Ich ging trotzdem auf sie zu, Bruno an der Hand, sie kichernd auf der Couch. Ich streckte ihr Bruno und allem voran Brunos Arme entgegen und brummte mit tiefer Stimme „Wahre Schönheit kommt immer noch von innen!“. Ihr lachen verstummte, sie sah mich an, ihr Gesichtsausdruck war ernst. Sie erhob sich aus der weißen Ledercouch, streckte ihre Hand in meine Richtung, fasste nicht Brunos, sondern meine Hand, zog mich an sich heran und drückte mir einen Kuss auf meine Wange. „Du bist süß“ durchdrang meinen Gehörgang. Meine Beine wurden weich. „Süß“, ich? Unglaublich! Sie zog Bruno aus meinen Händen und meinte, dass der Kleine jetzt ihrer sei. Ich lächelte und setzte gerade zur Einladung zum Eis essen an „Willst du…“ als Sie mich unterbrach, sich höflich für die Spielsachen bedankte und stumm auf die Ausgangstür zeigte. Leicht verwirrt von der doch eigentlich eben begonnenen Romanze zwischen ihr und mir, ging ich wortlos aus dem Aufenthaltszimmer und verließ dann die Kita.
Ich konnte meine Gedanken nicht ordnen. Raste kopflos im Cabrio meiner Mutter durch die Stadt und versuchte, zu verstehen, was eben passiert war. Hatte sie Angst ihren Gefühlen nachzugeben und mit mir Achterbahn zu fahren? Hatte sie Angst über dünnes Eis zu gehen, um mit mir am anderen Ufer Schlittschuh zu fahren? Oder reichten ihr Bruno und ich einfach nicht aus?
(joakim_e)

















ach ist dat schön…ich bin gespannt, wie das weiter geht!